Der M60-Dauerläufer

Wie unkaputtbar ist der BMW-V8?

BMW kann nicht nur Sechs-, sondern auch Achtzylinder. Einer davon gilt als wahrer Dauerläufer. Doch gilt das auch für die anderen Ableger des M60-Motors?

BMW 540i V8 E34 Limousine (1994) Foto: Oldtimer Galerie Toffen 20 Bilder

Obwohl BMW eher für seine Sechszylinder-Reihenmotoren bekannt ist, hat der bayerische Hersteller in der Vergangenheit oft genug gezeigt, dass er auch richtig gute V8-Motoren konstruieren kann. Die Geschichte reicht bis in die 1950er-Jahre zurück: 1954 erschien im BMW 502 ein 2,6-Liter-V8 mit 100 PS, später kam der Achtzylinder auch in Modellen wie dem 503 und 507 zum Einsatz. Heute setzt BMW mit dem 4,4-Liter-Biturbo S68 weiterhin auf acht Zylinder, unter anderem im aktuellen M5 und XM.

Eine bestimmte Motoren-Baureihe aus den 1990-er Jahren gilt heute als wahrer Dauerläufer und ist in Kombination mit einem Schaltgetriebe inzwischen sehr beleibt für Tuning-Projekte – der M60. Doch wie schlagen sich seine weiterentwickelten Verwandten und ist dieser V8 tatsächlich unkaputtbar?

M60B40 im BMW 540i E34

Den Anfang macht der BMW 540i E34. BMW führte das Modell 1992 ein. Unter der Haube arbeitet der V8-Sauger namens M60B40 mit 3,9 Liter Hubraum und 286 PS. Damit war der 540i unterhalb des M5 das Spitzenmodell der regulären E34-Baureihe.

Die vergleichsweise einfache Konstruktion macht den M60-Motor besonders interessant. Es gibt weder einen Turbolader noch Valvetronic oder eine variable Nockenwellensteuerung. Das reduziert die Zahl der Komponenten, die im Laufe der Zeit zu Problemen führen können. Doch auch diese Konstruktion ist nicht unkaputtbar. Eine bekannte Schwachstelle ist etwa die Zylinderlaufbahn. BMW verwendete beim M60 eine Nikasil-Beschichtung. Besonders schwefelhaltiger Kraftstoff kann die Oberfläche angreifen. Das wiederum kann zu sinkender Kompression im Brennraum führen.

Außerdem bestehen die Gleitschienen der Steuerkette aus Kunststoff, was bedeutet, dass diese bei Fahrzeugen mit hoher Laufleistung porös und brüchig werden können. Zudem machen die Schrauben der Ölpumpe Probleme. Sie können sich mit den Jahren lösen und in die Ölwanne fallen, was zu einem Totalausfall der Maschine führt.

Bei einem heute mehr als 30 Jahre alten 540i sind deshalb der tatsächliche Motorzustand und eine nachvollziehbare Historie wichtiger als ein möglichst niedriger Kilometerstand.

M62B44 im BMW 540i E39

Auch der Nachfolger E39 fährt als 540i mit einem V8-Saugmotor. Der M62B44 mobilisiert ebenfalls 286 PS, allerdings aus 4,4 Liter Hubraum. Das Drehmoment wächst gegenüber des Basis-Motors von 400 auf 420 Nm.

Der M62 ist nämlich die Weiterentwicklung des M60 und bei dieser einen Modifizierung soll es nicht bleiben. BMW konstruiert noch die TU-Versionen mit variabler Steuerung der Einlassnockenwellen, aber dazu später mehr.

Eine wichtige Altersbaustelle des M62 ist der Steuertrieb. Dabei stehen hauptsächlich die Führungsschienen der Steuerkette im Fokus – ähnlich wie beim M60. Zudem kann der Abrieb des porösen Plastiks in der Ölwanne landen und damit das Ölsieb verstopfen.

Die Reparatur verschlissener Schienen kann teuer werden. Wenn der Steuertrieb in Ordnung ist und der Motor regelmäßig seine Wartungen erhalten hat, sind auch beim M62B44 hohe Laufleistungen möglich. Beim Gebrauchtwagen lohnt deshalb besonders der Blick auf bereits ausgeführte Arbeiten am Steuertrieb.

M62B44TU im BMW X5 4.4i E53

Spannend wird es bei der TU-Version. Die technisch weiterentwickelte Variante des M62 kommt unter anderem im ersten BMW X5 zum Einsatz. Der E53 4.4i nutzt den M62B44TU mit 4,4 Litern Hubraum.

Das Kürzel TU steht für "Technische Überarbeitung". Zu den Änderungen gehört das vorhin erwähnte Vanos-System (variable Nockenwellensteuerung) an den Einlassnockenwellen. Das System kann deren Stellung während des Motor-Betriebs an Last und Drehzahl anpassen. Das sorgt zum einen für mehr Leistung im oberen Drehzahlbereich. Die Nockenwelle wird verstellt, damit der Motor freier ausdreht. Außerdem arbeitet der Motor durch die optimierte Zylinderführung effizienter.

Hinzu kommt eine elektronisch gesteuerte Drosselklappe. Damit ist der M62TU komplexer als der ursprüngliche M62, bleibt aber beim Grundkonzept des großvolumigen V8-Saugmotors. Auch beim M62TU gehört der Steuertrieb zu den Problempunkten. Zusätzlich bringt Vanos weitere Bauteile mit, die im Alter verschleißen können.

Der X5 stellt zudem andere Anforderungen an den Motor als eine Limousine. Das größere und schwerere Fahrzeug belastet den Antrieb stärker. Umso wichtiger sind eine nachvollziehbare Wartung und bereits ausgeführte Reparaturen.

Drei V8, drei Entwicklungsstufen

M60B40, M62B44 und M62B44TU zeigen, dass BMW einige ausgesprochen robuste V8-Motoren entwickelt hat. Ihre Grundkonstruktion gilt als langlebig und kann bei guter Wartung hohe Laufleistungen verkraften. Dabei reicht die Entwicklung vom vergleichsweise einfachen M60B40 über den hubraumstärkeren M62B44 bis zum technisch weiterentwickelten M62B44TU mit Vanos.

Unkaputtbar und frei von sämtlichen Schwachstellen ist aber keiner der drei Motoren. Wer die bekannten Probleme im Blick behält und notwendige Reparaturen nicht aufschiebt, bekommt einen grundsoliden Achtzylinder mit echtem Dauerläufer-Potenzial. Gerade der technische Zustand und eine regelmäßige Wartung sind deshalb wichtiger als ein möglichst niedriger Kilometerstand.

Fahrzeugmarkt