Seltene Bugatti im Depot der Autostadt
Die 7 spektakulärsten Bugatti der Neuzeit
Studien, Prototypen, Rekordautos: Kommen Sie mit in die Bugatti-Sammlung der Autostadt. Fotografieren ist hier streng verboten. Normalerweise.
23.03.2026 Andreas Of-Allinger
Foto: Malte Buls
14 Bilder
Diese Halle wirkt von außen so sachlich wie ein gewöhnliches Industriegebäude in einem gewöhnlichen Industriegebiet. Doch der Inhalt ist so spektakulär, dass selbst abgebrühte Besucher zu Fans werden: Zur Bugatti-Sammlung der Autostadt gehören Prototypen, Studien und Vorserienautos, die der Öffentlichkeit nicht unbedingt bekannt sind. Das ist auch ganz normal, denn Entwicklungsfahrzeuge sind für Tests bestimmt, nicht für Titelseiten. Ein bisschen Öffentlichkeit lässt die Autostadt zu: Besucher können eine Depotführung buchen und die Sammlung anschauen. Das lohnt sich wirklich, denn wo sonst stehen rund ein Dutzend Bugatti aller Entwicklungsstufen vom ersten Prototyp bis zum letzten Vorserienfahrzeug zusammen? Gehen wir mal durch und stellen die bemerkenswertesten Exemplare vor.
Bugatti EB 218: Limousine mit 18-Zylinder
Der älteste Bugatti der Neuzeit im Depot der Autostadt ist eine Studie aus dem Jahr 1999: Der EB 218 war das zweite Konzeptauto, das Giorgetto Giugiaro für die Wiederbelebung der Marke entworfen hatte. Die erste Studie, der EB 118, war ein Coupé. Die erste Zahl in der Modellbezeichnung bezeichnet die Reihenfolge, die zweite und dritte Ziffer stehen für die Zahl der Zylinder. Die Form beider Autos sollte an die Bugatti der 30er-Jahre erinnern; Hufeisengrill und die tropfenförmige Linie der Seitenfenster sind Designelemente aus dieser Zeit.
Die Vision des damaligen VW-Chefs Ferdinand K. Piëch war ein Luxusauto mit einem 18-Zylinder-Motor, das über 400 km/h erreichen sollte. Den 18-Zylindermotor mit drei Reihensechszylinderbänken in W-Form skizzierte Piëch 1997 während einer Fahrt im japanischen Shinkansen zwischen Osaka und Tokio auf einen Briefumschlag.
Im Mai 1998 hatte Volkswagen die Markenrechte für Bugatti übernommen und präsentierte anschließend mehrere Studien: Den EB 118 zum Pariser Autosalon im September 1998 und den EB 218 im März 1999 auf dem Genfer Autosalon. Ein 6,3-Liter-18-Zylinder-Saugmotor mit 555 PS sollte die 5,375 Meter lange Limousine antreiben. Ein Fünfstufen-Automatikgetriebe und Allradantrieb bringen die Kraft auf die Straße. Das Gewicht der aus einem Aluminium-Spaceframe gefertigten Limousine ist mit 1.888 Kilogramm angegeben.
Im September 1999 zeigte Bugatti auf der IAA eine Mittelmotor-Studie, den EB 18/3 Chiron, eine Gemeinschaftsarbeit von Giugiaro und Hartmut Warkuß, dem damaligen Leiter der "Center of Excellence Design" bei Volkswagen. Dieses Konzept war dem Serienauto schon näher.
Lamborghini Diablo mit Bugatti-W16
Weil die VR-Motorenfamilie mehr Potenzial bot als der ursprünglich angedachte Dreizylinder-Reihenmotor der Baureihe EA 111, entschieden sich die Entwickler dafür und reduzierten die Zylinderanzahl auf 16 und erhöhten dafür den Hubraum. Der turbogeladene Motor sollte 1.001 PS leisten. Einen Achtliter-W16 mit dieser Leistung erprobte Volkswagen Anfang 2000 in einem Lamborghini Diablo SV. Der Mittelmotor-Sportwagen war 1997 mit einem Fünfliter-V12 und 5-Gang-Schaltgetriebe gebaut worden. Damit der Bugatti-Motor ins Chassis passt, wurde der Gitterrohrrahmen aufgeschnitten und verlängert. Der Technik fiel außerdem ein Großteil des Beifahrer-Fußraums zum Opfer. Mit diesem Erprobungsträger fuhren die Entwickler Tests bis 300 km/h.
Bugatti Veyron "Abgastester"
Ein reines Werkzeug, das der Entwicklungsabteilung als fahrender Prüfstand diente, ist auch der frühe Veyron. Dieses Erprobungsfahrzeug sieht dem späteren Serienauto schon sehr ähnlich, hat aber noch die typischen Merkmale eines Prototyps: Räder, Endrohre und Motoroptik entsprechen noch nicht dem Serienauto und die Rückleuchten fehlen noch. Stattdessen stecken Standardteile in den dafür vorgesehenen Öffnungen. Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass dieser Veyron kürzere Türen hat als das Serienauto; die wurden für einen leichteren Einstieg verlängert.
Innen ist noch nichts vom späteren Luxus der Serienautos zu sehen: Teile aus den Regalen vieler Konzernmarken sind hier zu finden. Die Sitze kommen von Porsche, Instrumenteneinheit und Klimabedienteil vom VW Passat, die Lüftungsdüsen und das Lenkrad – ohne Airbag – von Audi. Der Zündschlüssel könnte aus einem Golf III stammen.
Bugatti Veyron "World Record Car"
Wozu der Veyron in der Lage ist, zeigte Bugatti am 4.7.2010 auf der Teststrecke in Ehra-Lessien. Auf dem Volkswagen-Prüfgelände nördlich von Wolfsburg befindet sich ein Oval mit 21 Kilometer Streckenlänge. In den überhöhten Kurven können 200 km/h querkraftfrei gefahren werden. Hier erreichte Testfahrer Pierre-Henri Raphanel am Steuer eines 1.200 PS starken Veyron eine Geschwindigkeit von 431,072 km/h und hatte damit einen neuen Weltrekord aufgestellt. Anlässlich dieses Ereignisses legte Bugatti eine fünf Fahrzeuge umfassende World Record Edition auf. Das Rekordauto bekam später einen neuen Motor mit einem Megawatt Leistung: 1.360 PS.
Bugatti Galibier: Limousine mit 800 PS
Als Raphanel den Rekord fuhr, war ein möglicher Veyron-Nachfolger schon präsentiert: 2009 hatte Bugatti am Stammsitz in Molsheim zum 100-Jährigen der Marke den Galibier vorgestellt. Eine Limousine, die alles bisher bekannte toppen sollte: mehr Leistung, mehr Luxus, extreme Fahrleistungen. Ein Exemplar sollte fünf Millionen Euro kosten. Ein Achtliter-16-Zylinder mit Kompressoraufladung und 800 PS sollte den Viertürer antreiben. Die Studie bietet allen erdenklichen Luxus, inklusive eines herausnehmbaren Displays vorn im Cockpit und einem elektrisch ausfahrenden Bildschirm für die beiden Passagiere auf den Rücksitzen.
Doch es blieb bei der Studie. Weder der Kompressormotor noch der Viertürer schafften es in Serie. Stattdessen betrat 2016 der Chiron als Veyron-Nachfolger die Bühne der Hypercars. Wieder mit zwei Türen und Achtliter-16-Zylinder. Allerdings mit mehr Leistung.
Bugatti Chiron Profilée Vorserienauto
Auf Basis des Chiron Pur Sport mit kürzerer Übersetzung und fest montiertem Heckflügel hat Bugatti 2020 den Profilée entwickelt. Diese etwas weniger extreme Version des Hypercars hat einen Ducktail-Heckflügel, größere Lufteinlässe in der Front und 1.500 PS Leistung. Als das Vorserienauto fertig war, waren schon alle 500 Chiron gebaut. Doch einen gab es noch: Den Profilée. Es war zugleich der teuerste Neuwagen der Welt: Für 9,79 Millionen Euro versteigerte RM Sotheby's das Einzelstück am 1. Februar 2023 in Paris. Im Gegensatz zum Kundenauto, das Bugatti in "Argent Atlantique" lackiert hat, einem Farbton, der sonst bei keinem Chiron zum Einsatz kam, ist das Vorserienauto Weiß.
Bugatti Chiron mit über 100.000 km
Der Bugatti Chiron mit einer der höchsten Laufleistungen überhaupt steht übrigens auch hier im Depot: rund 110.000 Kilometer zeigt das Tachodisplay dieses Entwicklungsfahrzeugs. Man sieht es ihm nicht an und der Innenraum duftet wie bei einem Neuwagen nach edlem Leder. Dieser Chiron steht zugleich für den extremen Spagat der Anforderungen, die Bugatti bei der Entwicklung dieses Hypercars definiert hatte: Es sollte außergewöhnliche Fahrleistungen bieten und von jedem Fahrer im Alltag bewegt werden können. Ein Chiron Super Sport beschleunigt in 5,8 Sekunden aus dem Stand auf 200 km/h – ein VW Golf GTI erreicht in 5,9 Sekunden 100 km/h. Bis 300 km/h vergehen beim Chiron nur 12,1 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit liegt im Top-Speed-Modus bei 440 km/h.