Die 7 besten Alpina

V8 im 3er, 5er mit Ferrari-Fahrleistungen

BMW sagte, ein V8 passt nicht in den 3er – Alpina baute ihn trotzdem. Wenn in München ein Modell fehlte, schufen die Tüftler aus Buchloe Legenden. Wir zeigen die 7 größten Hits von Alpina, von der schnellsten Limousine der Welt bis zum geheimen M3-Konkurrenten.

BMW Alpina 3.0 CSL (1971) Foto: Julius Weitmann 7 Bilder

Seit Ende 2025 ist Alpina Teil von BMW. Wir schauen zurück auf die 7 größten Hits des Herstellers aus Buchloe – von den Anfängen mit einem Doppelvergaser für den BMW 1500 bis zum ersten Diesel unter dem Markenlogo mit Ansaugtrichtern und Kurbelwelle. Unvergessen sind alle BMW Alpina der jüngeren Vergangenheit: Die agilen B3 mit ihren Reihensechser-Turbos, die souveränen B5, B6 und B7 mit ihren kraftvollen V8-Motoren und die offenen Alpina-Varianten bestehender BMW-Modelle: Der RLE auf Z1-Basis, der V8 Roadster und der Z4. Jeder Alpina füllt mit seinem besonderen Charakter eine Lücke im BMW-Programm. Künftig positioniert BMW Alpina oberhalb der eigenen Marke; Varianten von 3er und 5er wird es deshalb nicht mehr geben. Wie die Zukunft der Marke aussieht, zeigt das Vision BMW Alpina Coupé. Wann die Zukubft kommt, steht noch nicht fest.

Bovenspiepen in Buchloe kümmert sich künftig um klassische Alpina, verfeinert BMW-Modelle wie den M5 Touring zum B05 GT und baut ein eigenes Coupé mit Zagato-Karosserie.

Der Beginn: Doppelvergaser für den BMW 1500

Angefangen hat alles mit einem Doppelvergaser: Burkard Bovensiepen feilte in der feinmechanischen Fabrik seines Vaters an einer leistungssteigernden Gemischfabrik für den BMW 1500. Der Tüftler traf damit exakt in eine Lücke: BMW hatte wenige Monate nach dem Start der Neuen Klasse den 1800 auf den Markt gebracht und Kunden der ersten Stunde wollten ihre 1500 nachrüsten. Bovenspiepens Doppelvergaser steigerte die Leistung von 80 auf 90 PS. Lücken im BMW-Modellprogramm finden und mit feinen Automobilen besetzen, das war in den kommenden Jahren ein Markenzeichen von Alpina.

Der Markennamen soll übrigens Bovensiepens Mutter angesichts der nahen Alpen eingefallen sein: Bovensiepen gründet die Firma am 1.1.1965 in Kaufbeuren, zieht 1970 nach Buchloe um. Das Markenlogo mit den beiden Ansaugtrichtern und der Kurbelwelle entsteht 1967.

Ab 1983 war Alpina offiziell beim Kraftfahrt Bundesamt als Hersteller registriert. Tuner hörte man in Buchloe nicht gern. Verständlich, denn die Autos entstanden in enger Kooperation mit BMW.

Schon der Doppelvergaser für den 1500 überzeugte BMW so sehr, dass die Werksgarantie erhalten bleibt und Vertragshändler den Umbausatz für 980 Mark verkaufen.

Drei Jahre nach der Firmengründung steigt Alpina in den Motorsport ein, gewinnt schon 1970 Pokale bei Bergrennen, auf Rundstrecken und Rallyepisten.

3.0 CSL: Leichtbau für den Motorsport

Die Erfolge im Motorsport liefern Argumente für das nächste Projekt: Alpina entwickelt 1971 für BMW die Leichtbauversion des E9: Der 3.0 CSL ist zugleich das erste Auto mit den bis heute bekannten 20-Speichenrädern von Alpina.

Niki Lauda fährt mit dem 3.0 CSL beim 6-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring einen Tourenwagenrekord. Derek Bell, Harald Ertl, Niki Lauda und Brian Muir gewinnen die Tourenwagen-Europameisterschaft. Nachdem das Dieter Quester 1977 erneut gelingt, zieht sich Alpina für zehn Jahre aus dem Motorsport zurück und entwickelt Straßenautos auf BMW-Basis. Und was für welche!

B6 2.8 und B7 Turbo:

Gleich drei Eigenentwicklungen präsentiert Alpina 1978 am Gardasee: Den B6 2.8 auf Basis des BMW 323i der Baureihe E21 und den B7 Turbo als Coupé auf Basis des 6er E24 sowie die Limousine B7 Turbo auf Basis des 5er E12. Beide gehören mit 330 PS zu den schnellsten Autos ihrer Zeit. Alpina-Räder, Zierstreifen und Front- sowie Heckspoiler: Die Insignien von damals gelten bis zum Schluss.

In dem Alpina-typische Blaumetallic und Grünmetallic sind 1981 erstmals der B7 S Turbo und das B7 S Turbo Coupé lackiert.

B10 Bi-Turbo: schnellster Viertürer

Mit dem B10 Biturbo auf Basis des BMW 535i E34 baut Alpina 1989 die schnellste Limousine der Welt. Der Viertürer bietet die Fahrleistungen eines Ferrari Testarossa und Platz für die ganze Familie. "I think this ist the best 4-door in the world", schrieb Paul Frère in Road & Track über den B10 Bi-Turbo. Legendär ist das Dampfrad in der Mittelkonsole: Über ein Drehrad kann der Fahrer den Ladedruck von 1,6 auf 1,8 bar steigern. Maximal leistet der aufgeladene Reihensechser 360 PS. Die Höchstgeschwindigkeit beeindruckt noch heute: 290 km/h läuft der Alpina-Fünfer.

B12 5.7: E-Kat, Switch-Tronic, 12-Zylinder

Manche Lücken im BMW-Programm findet Alpina oberhalb der Topmodelle. Den ersten Nachkriegs-Zwölfzylinder eines deutschen Autoherstellers im BMW 750i E32 verfeinert Alpina 1988 zum B12 5.0. Der Nachfolger B12 5.7 auf E38-Basis setzt 1995 mit 5,7 Liter Hubraum, elektrisch beheiztem Katalysator und der Möglichkeit, das Automatikgetriebe per Wahlhebel oder per Knopfdruck am Lenkrad zu schalten ("Switch-Tronic"), technische Ausrufezeichen. Elegant ist der schnelle Siebener außerdem. Auch im 8er E31 ist der Antrieb erhältlich.

B8: V8 im 3er E36

Ein V8-Motor passt nicht in den Motorraum des 3er E36, da ist sich BMW sicher. Bovensiepen misst nach und stellt fest: Der M60 passt rein. Allerdings nur von oben und wenn einige Nebenaggregate umziehen. Karosserie und Motor schickt BMW nach Buchloe, dort entsteht in Handarbeit der B8. Und Alpina wäre nicht Alpina, bekäme der BMW-Motor im Allgäu nicht eine kleine Kur: Den Hubraum auf 4,6 Liter erweitert, die Leistung auf 333 PS gesteigert, entsteht ein Pendant zum M3 – mit ähnlichen Fahrleistungen und ganz anderem Charakter; die Leistung kommt aus dem Hubraum, weniger aus der Drehzahl. Ein 122.000 Mark teures Traumauto im Tarnkleid eines Mittelklasseautos.

D10 Biturbo: Der erste Diesel von Alpina

In Zusammenarbeit mit BMW entwickelt Alpina Ende der 90er-Jahre den ersten Dieselmotor. Auf Basis des Dreiliter-Reihensechsers entsteht ein Biturbo-Diesel, der mit 1600 bar Common-Rail-Druck 240 PS und 500 Newtonmeter leistet. Zum Vergleich: Das BMW-Pendant mit einem Turbolader kommt auf 184 PS. In 6,7 Sekunden spurtet ein von auto motor und sport getesteter Alpina D10 Biturbo mit Switch-Tronic von null auf 100 km/h. Nach 16,9 Sekunden liegen 160 km/h an und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 254 km/h. Das sind damals für einen Diesel sehr gute Werte.