Klassiker mit Wertverlust

6 Youngtimer, die in 5 Jahren billiger wurden

Klassiker mit Wertverlust: 6 Youngtimer, die von 2020 bis 2025 billiger wurden. Die Liste reicht von Aston Martin und Ford bis Porsche und Mercedes.

Mercedes-Benz 450 SE (W 116) 1972-1980 Foto: Archiv/Hersteller 6 Bilder

Ein Anzeichen für einen schwächelnden Markt sind sinkende Preise einzelner Youngtimer natürlich nicht. Doch insgesamt ist es seit etwa einem Jahr ruhiger, berichtet Frank Wilke vom Marktbeobachter Classic-Analytics. Händler verkaufen weniger Autos, die Preise seien im Schnitt um drei Prozent niedriger als noch vor einem Jahr. Kein Grund zur Panik.

Ein Klassiker ist nur noch die Hälfte wert

Wer jetzt kaufen will, dem bieten sinkende Preise die Gelegenheit, Schnäppchen zu machen. Denn wenn das Traumauto weniger Kaufinteressenten lockt, passt es vielleicht doch ins Budget und ein Wunsch wird wahr. Gleichzeitig sind bei seltenen Autos größere Korrekturen drin – diese Vermutung liegt etwa beim Citroën Visa Plein Air nahe, der innerhalb von fünf Jahren gut die Hälfte seines Werts einbüßte. Tröstlich für langjährige Besitzer: Die Cabriolimousine ist immer noch deutlich mehr wert als vor 10 Jahren.

Generationenwechsel: W126 statt W116

Weniger drastisch ist der Wert des Mercedes 450 SE gefallen. Doch das kleine Minus des großen Achtzylinders ist ein Zeichen für einen Generationenwechsel: Der W116 fällt in der Käufergunst hinter seinen Nachfolger W126 zurück. Wer schon immer im Chrom der 70er schwelgen wollte, dem bietet sich jetzt die günstige Gelegenheit, die erste S-Klasse, die offiziell so hieß, mit kleinem Rabatt zu kaufen. Der Markt macht’s möglich.

Aston Martin Lagonda

  • Baujahr 1988 bis 1991
  • Wert Oktober 2020: 80.000 Euro
  • Wert Oktober 2025: 67.000 Euro
  • Wertverlust:13.000 Euro, -16,25 %

Exotenstatus serienmäßig: Aston Martin baute nur 650 Lagonda. Die von Designer Williams Towns kantig und flach gezeichnete Limousine fällt schon wegen ihrer Form auf: Außer den Rädern und den Radläufen scheint es keine Rundung zu geben. Die Proportionen sind extrem: Der Viertürer ist 5,30 Meter lang, aber nur 1,30 Meter hoch. Die Länge und der gewaltige Wendekreis von 16 Metern machen Wendemanöver zur Herausforderung. Ein Stadtwagen ist der Aston Martin Lagonda wahrlich nicht.

Als Aston Martin die Limousine 1976 vorgestellt hat, trat angeblich eines der Präsentationsautos in den Streik; die ausgefuchste Elektronik mit berührungssensitiven Schaltern und LCD-Anzeigen war noch nicht ausgereift. Inzwischen gelten die Kinderkrankheiten als behoben. Einzigartig bleibt die Kombination aus britischem Luxus, einem Captain-Future-Cockpit und dem exaltierten Design. Als Neuwagen kostete die Limousine fast 50.000 britische Pfund (200.000 Mark). Heute gelingt der Einstieg günstiger.

Audi A8 4.2 Quattro

  • Baujahr 1994 bis 1998
  • Wert Oktober 2020: 19.000 Euro
  • Wert Oktober 2025: 12.000 Euro
  • Wertverlust: 7.000 Euro, -36,8 %

Mit dem zweiten Oberklassemodell nach dem V8 machte Audi Ernst: Die Fünfmeterlimousine bekam eine eigene Karosserie aus Aluminium. Eine Plakette an der B-Säule weist auf die Space-Frame-Struktur hin. Zusammen mit dem beim Topmodell serienmäßigen Allradantrieb Quattro ergibt das eine in der damaligen Oberklasse einmalige Kombination, die Technikfans anspricht. Auf der Waage bringt der Leichtbau weniger als gedacht – auch wegen des Audi-typischen Quattro-Allrad. Dafür wirkt ein A8 D2 auch drei Jahrzehnte nach seiner Präsentation solide wie eine Burg.

Bis auf die Querlenker und Spurstangen der Vorderachse und einen wegen verschlissener Kolbenringe und Ventilschaftdichtungen öldurstigen Motor sind kaum Schwachpunkte bekannt. Alle 120.000 Kilometer muss der Zahnreimen neu, was fünf Werkstattstunden kostet. Verunfallte A8 sollten besonders genau inspiziert werden, denn eine Reparatur sollten nur Spezialisten übernehmen. Doch wer das überschaubare Risiko eingeht, kann zum Tarif eines gebrauchten Kleinwagens erleben, was Audi in den 90er-Jahren unter Luxus verstand.

Citroën Visa Plein Air

  • Baujahr 1983 bis 1985
  • Wert Oktober 2020: 19.000 Euro
  • Wert Oktober 2025: 9.000 Euro
  • Wertverlust: 10.000 Euro, -52,6 %

Ursprünglich als Kleinwagen zusammen mit Fiat geplant, ging der Visa zunächst im Zuge der Übernahme durch Peugeot im Jahr 1974 verloren, um einige Jahre später doch noch auf den Markt zu kommen. Das Design des Viertürers kam zunächst nicht überall gut an, doch seine praktischen Vorzüge sind unbestritten: Platz für vier Personen, kombiniert mit geringem Verbrauch, ergaben eine Art Super-Ente. Das trifft natürlich vor allem auf die seltene Cabriolimousine zu.

Die als Plein Air oder Décapotable verkaufte, offene Version des Kleinwagens ist eines der wenigen Cabrios mit vier Türen und in gutem Zustand schwer zu finden. Mit 50 PS aus einem 1,1-Liter-Vierzylinder ist der Fronttriebler ausreichend flott unterwegs – im Gegensatz zum viel teureren 2CV. Allerdings können Rost, Mängel an der Elektrik und die Suche nach Ersatzteilen Nerven kosten.

Ford Mondeo ST 200

  • Baujahr 1999 bis 2000
  • Wert Oktober 2020: 4.100 Euro
  • Wert Oktober 2025: 3.000 Euro
  • Wertverlust: 1.100 Euro, -26,8 %

Ende der 90er-Jahre legte Ford ein sportliches Spitzenmodell des Mondeo auf. Der ST 200 war als Limousine, Schrägheck und Turnier genannter Kombi erhältlich. So schlicht der Name, so wenig dezent sind die Hinweise auf den 205 PS starken 2,5-Liter-V6-Motor unter der Haube: Schürzen und Schweller machen klar, dass hier mehr geboten wird als ein 90-PS-Vierzylinder. Innen gab es knallig blaue Akzente an Sitzen, Lenkrad und Instrumenten. Keine Diskussion gibt es über die Fahrleistungen: 7,7 Sekunden von null auf 100 km/h und 231 km/h Spitze.

Interessant ist diese Mondeo-Generation auch deswegen, weil Lenkung und Fahrwerk fein abgestimmt sind; Ford war zu dieser Zeit für Autos bekannt, die beim Fahren Spaß machen. Formal ist das rundliche Bio-Design allerdings nicht jedermanns Sache. Selten sind die ST-200-Modelle außerdem. So kann es zum Problem werden, überhaupt einen zu finden. Rostfrei sollte er sein. Doch der Preis ist heiß: Wo sonst bekommt man einen Sechszylinder-Kombi mit 200 PS für eine Handvoll großer Scheine?

Tipps zum Kauf und zur Erhaltung von Youngtimer mit langer Lebensdauer findest du hier beim Motorbuch Versand.

Mercedes-Benz 450 SE (W 116)

  • Baujahr 1972 bis 1980
  • Wert Oktober 2020: 24.000 Euro
  • Wert Oktober 2020: 21.000 Euro
  • Wertverlust: 3.000 Euro, -12,5 %

Den Mercedes W116 muss man vermutlich niemandem mehr vorstellen. Die erste S-Klasse, die Mercedes offiziell so nannte, galt bei ihrem Erscheinen als bestes Auto der Welt. Zum guten Ruf der Baureihe trug eine damals fast einzigartige Kombination aus Sicherheit und Komfort bei. Die Doppelquerlenker-Vorderradaufhängung stammte im Prinzip aus dem Versuchsauto C 111, die Schräglenker-Hinterachse war vom Strich-Acht bekannt.

Auf Wunsch war beim W116 erstmals ein ABS von Bosch erhältlich. Von den geriffelten Rückleuchten bis zu geschäumten Oberflächen im Innenraum steckten viele Sicherheits-Ideen im Auto. Unterhalb des mächtigen Topmodells 6.9 mit dem aufgebohrten Achtzylinder aus dem Mercedes 600 rangiert der 450 SE. Das Achtzylindermodell bietet auch heute noch souveräne Fahrleistungen. Karosserie und Technik sollten in gutem Zustand sein – eine Restaurierung übersteigt den Zeitwert.

Porsche 928 GTS

  • Baujahr 1992 bis 1995
  • Wert Oktober 2020: 82.000 Euro
  • Wert Oktober 2020: 67.000 Euro
  • Wertverlust: 15.000 Euro, -18,3 %

Anfang der 90er-Jahre gab es kaum eine komfortablere und schnellere Möglichkeit, Autobahnkilometer abzureißen, als mit einem Porsche 928 GTS. Der Transaxle-Sportwagen war bei Porsche intern das Auto der Wahl, wenn es auf lange Strecken ging. In der letzten Entwicklungsstufe hat der Achtzylinder 5,4 Liter Hubraum und 350 PS – gut für 275 km/h.

Doch trotz seines zeitlosen Designs und seiner zweifellos guten Fahreigenschaften spielt der 928 hinter dem 911 die zweite Geige. Das teure Topmodell aus den letzten drei Baujahren der Baureihe war jedoch nie wirklich günstig. Zuletzt gab es sogar eine leichte Wertkorrektur. Wegen der komplexen Technik sollte die Wartung pünktlich erledigt und belegt sein. Wichtig – und leider teuer – ist der Wechsel des Zahnriemens alle 80.000 km oder sechs Jahre. Elektronik und Komfortfunktionen sollten sorgfältig geprüft werden. Wie alle Transaxle-Porsche leidet der 928 unter undichten Heckscheiben. Feuchtigkeit im Kofferraum ist ein Indiz dafür.

(Quelle: Classic-Analytics, gepflegter Zustand)