Neuser-Sammlung bei Artcurial-Auktion

9 besondere Ferraris plus 2 exotische Verwandte

Zur Sammlung des Autohändlers Fritz Neuser gehören 9 besondere Ferraris vom Daytona bis zum Roma und zwei seltene Schweizer Exoten mit Ferrari-Technik. Artcurial versteigert die Sammlung am 15.03.2026 in Paris.

Ferrari 512 Bbi (1983) Foto: Artcurial Motorcars / Schönfeld 18 Bilder

Der Nürnberger Autohändler Fritz Neuser hat mehrere Jahrzehnte Alfa Romeo und Ferrari verkauft. Manche Autos, oft Inzahlungnahmen, hat er behalten; meist, wenn es ein besonders interessantes Modell in außergewöhnlich gutem Zustand war. So ist eine Sammlung von rund 40 Autos zusammengekommen, darunter 9 Ferraris. Nun trennt sich Neuser im Alter von 93 Jahren vom größten Teil seiner Sammlung. Artcurial versteigert die Autos am 15. März 2026 in Paris während einer Auktion mit dem Titel "The Fritz Neuser Collection. Passion of a Ferrari Agent". Die Lots werden ohne Mindestpreis versteigert. Unter den Hammer kommen Autos, Teile und Zubehör.

Radrennfahrer und Autohändler Fritz Neuser

Neuser, 1932 geboren, wollte am Ende des Zweiten Weltkrieges ein Fahrrad haben, um mobil zu sein. Über den Vater eines Freundes entstand ein Kontakt zum RC Herpersdorf, einem Radsportclub. Dort bekam er einen Fahrradrahmen, mit der Auflage, am Training teilzunehmen. Das tat er so erfolgreich, dass er zu einem der erfolgreichsten Radsport-Amateure Deutschlands wurde und 337 Siege sowie 12 nationale Titel sammelte, bis er den Radsport nach einem schweren Unfall mit einem Tandem bei den Olympischen Spielen in Melbourne 1956 aufgab.

Der gelernte Radiotechniker sattelte auch beruflich um: Er lernte Autoverkäufer und machte sich selbstständig. Erst verkaufte er Gebrauchte, dann Goggomobil und ab 1963 als Vertragshändler Alfa Romeo. Das Geld für Werbung steckte er lieber in den Motorsport, war mit der Scuderia Neuser bei Bergrennen und auf der Rundstrecke erfolgreich. Nach 52 Siegen und zwei Titeln als bayrischer Bergrennmeister gab Neuser 1969 den Motorsport auf und konzentrierte sich auf seine Firma mit 17 Angestellten. Praktisch zeitgleich wurde er Ferrari-Vertragshändler. Anfang der 2000er-Jahre verkleinerte er seine Firma, blieb jedoch aktiv.

Diese Neuser-Ferrari versteigert Artcurial

Unter den 30 Autos aus der Neuser-Sammlung, die Artcurial am 15. März 2026 in Paris versteigert, sind 9 Ferrari und zwei Sbarro auf Ferrari-Basis.

Das älteste Modell ist ein Daytona, Baujahr 1970, in Piniengrün. Verde Medio heißt die Farbe, in der Ferrari den 365 GTB/4 im April 1970 ausgeliefert hat. Nachdem das Auto Anfang der 2000er bei einem Brand beschädigt wurde, baute ein niederländischer Betrieb die Karosserie aus Aluminium neu auf. In Großbritannien wurde das Auto später schwarz lackiert und fand den Weg 2012 über Eberlein Automobile zu Fritz Neuser. Der ließ den Daytona in Italien restaurieren. Mit 500.000 bis 800.000 Euro Schätzpreis ist der Daytona das teuerste Auto der Auktion.

Mittelmotor-Ferrari von 308 bis 512

Kein Ferrari-Logo, kein Pininfarina-Design: Der Dino 308 ist ein Ferrari für Kenner. Marcello Gandini gestaltete für Bertone die Karosserie des 4,30 Meter kurzen 2+2 mit Achtylinder-Mittelmotor. Dieses Exemplar war 1977 wegen einer Unfallreparatur bei Auto-Neuser, wurde zwischen 2015 und 2017 ohne Rücksicht auf Kosten restauriert und gehört seither zur Sammlung von Fritz Neuser. Der Dino soll 60.000 bis 80.000 Euro kosten.

Auf 130.000 bis 180.000 Euro schätzt Artcurial den Wert eines seltenen Ferrari 308 "Vetroresina". Nur die ersten drei Jahre baute Ferrari den 308 mit Fiberglas-Karosserie. Von diesen im Vergleich zu den späteren Stahlversionen 30 kg leichteren "Vetroresina" entstanden nur rund 800 Exemplare. Dieser hier hat ein Ferrari-Classiche-Zertifikat, zwischen 2004 und 2013 flossen rund 61.000 Euro in Restaurierung und Wartung.

Gleich drei Mittelmotor-Zwöfzylinder gehören zur Sammlung: Ein 365 GT4 BB, ein 512 BB und ein 512 BBi. Der nach einer 2020 erfolgten Restaurierung wieder in der Originalfarbe "Blu Sera" lackierte Daytona-Nachfolger hat einen 4,4-Liter-180-Grad-V12-Mittelmotor und erreicht mit rund 380 PS Leistung laut Werk 300 km/h. Dieses Exemplar wurde als Neuwagen über Auto Becker ausgeliefert und war von 1985 bis 2002 in einer Hand. Er soll 350.000 bis 450.000 Euro kosten. Auf jeweils 220.000 bis 260.000 Euro schätzt Artcurial den Wert der 1983 und 1984 gebauten Testarossa-Vorgänger.

Frontmotor, 12-Zylinder: 456, 575, Roma

Außerdem kommen drei Frontmotor-Ferrari der jüngeren Vergangenheit unter den Hammer. Der 465 M GT in Grigio Titiano/Nero wirkt dezent, doch der 442 PS starke Zwölfzylinder unter der Haube ist in der Lage, das Coupé im sechsten Gang von 50 auf 300 km/h zu beschleunigen. Scuderia Neuser kaufte das Auto 2023 mit einem Kilometerstand von 63.500. Der letzte Service war 2021. Mit 80.000 bis 100.000 Euro Schätzpreis eine der günstigeren Möglichkeiten an einen wenig gefahrenen Ferrari-Zwölfzylinder zu kommen.

Den 575 Superamerica baute Ferrari nur 599-mal. Dieses Exemplar hat das HGTC-Paket (Handling Gran Turismo Competizione) mit Sportfahrwerk, Brembo-Bremsen, Titan-Sportauspuff, 19-Zoll-Rädern und einem auf schnellere Gangwechsel abgestimmten Getriebsteuergerät. Das Dach hat eine spektakuläre Öffnungsmechanik und ein elektrochromatisch abdunkelbares Glas. Unter der Haube steckt ein 540-PS-V12. Niedrige Laufleistung: 16.000 Kilometer. Schätzpreis: 350.000 bis 450.000 Euro.

Auf 140.000 bis 180.000 Euro schätzt Artcurial den Preis eines Ferrari Roma aus dem Vorbesitz von Antonio Capristo, dem Gründer eines Herstellers von Carbonteilen und Sportauspuffanlagen in Sundern im Sauerland. Entsprechend verfügt das schwarze Coupé über ein Capristo-Carbon-Bodykit. Der 620-PS-V8 unter der vorderen Haube blieb serienmäßig und erhielt zuletzt 2023 bei 15.613 km eine Wartung. Aktuell ist der Ferrari weniger als 19.200 km gelaufen.

Sbarro-Studien mit Ferrari-Technik

Der für seine Studien bekannte Schweizer Designer Franco Sbarro hatte 1995 und 2009 spektakuläre Sportwagen-Studien gebaut, die beide auf Ferrari-Technik basieren. Unter der Hülle des Alcador Roadster steckt der Zwölfzylinder-Mittelmotor einer Testarossa. Sbarro baute drei Stück, einer stand auf dem Genfer Autosalon. Den GTB auf Basis des 360 Modena zeigte Sbarro 209 auf dem Genfer Autosalon. Der Roadster soll 200.000 bis 400.000 Euro kosten und der GTB 180.000 bis 260.000 Euro.