Alain Prosts Ferrari F40 kommt unter den Hammer
RM Sotheby’s erwartet bis zu 3,2 Millionen Euro
Alain Prosts Ferrari F40 steht wieder zum Verkauf, diesmal in Abu Dhabi. Die Historie ist vollständig, die Laufleistung gering, der Schätzpreis beträgt 3,2 Millionen Euro.
18.11.2025 Andreas Of-Allinger
Foto: Stephan Bauer/RM Sotheby's
12 Bilder
RM Sotheby’s versteigert am 5. Dezember 2025 in Abu Dhabi einen der spannendsten Ferrari F40 der Modellgeschichte. Das Exemplar mit der Chassisnummer 83249, ursprünglich an Formel-1-Weltmeister Alain Prost ausgeliefert, wird mit einem Schätzpreis von umgerechnet 2,75 bis 3,2 Millionen Euro angeboten.
Wechsel zu Ferrari und ein außergewöhnliches Geschenk – 1989
Am Ende der Formel-1-Saison 1989 hatte Alain Prost seinen dritten Weltmeistertitel gewonnen. Damit zog er mit Jack Brabham, Jackie Stewart, Niki Lauda und Nelson Piquet gleich. Trotz seines Titelgewinns gegen Teamkollege Ayrton Senna verließ Prost McLaren und wechselte für 1990 zu Ferrari – als erster Fahrer, der nach dem Tod von Enzo Ferrari direkt für die Scuderia verpflichtet wurde. Als neuer Spitzenfahrer der Marke erhielt Prost ein angemessenes Dienstfahrzeug abseits der Rennstrecken: einen brandneuen Ferrari F40, damals das schnellste straßenzugelassene Fahrzeug der Welt.
Chassis 83249: F40 für einen Weltmeister
Das hier angebotene Fahrzeug, Chassis 83249, wurde im November 1989 für den Schweizer Markt gefertigt – noch ohne Katalysatoren und ohne verstellbare Dämpfer. Prost bestätigte später, dass er den Wagen entgegennahm, ihn jedoch nie nutzte und sehr schnell weiterverkaufte. Im Februar 1990 wurde der F40 an seinem Wohnsitz in Méribel auf ihn zugelassen.
Der nächste Besitzer, Graham de Zille, ebenfalls Ferrari-Enthusiast und später in der Ferrari-Challenge aktiv, erwarb den Wagen Anfang der 1990er-Jahre über Graypaul Ferrari. Vor der Übergabe signierte Prost sogar das Dach des F40. Die Unterschrift wurde anschließend unter Klarlack konserviert – und ist bis heute sichtbar.
2.961 Meilen: Historie, Dokumente und ein legendärer Vergleichstest
De Zille behielt den F40 zunächst im Vereinigten Königreich und nahm ihn 1995 mit auf die Kanalinsel Jersey. Kurz zuvor war der Wagen in Großbritannien zugelassen worden; dabei wurde der Kilometer-Tacho durch einen Meilen-Tacho ersetzt. Während der Zeit auf Jersey erschien das Auto im April 1997 im Magazin Motor Sport, in einem Vergleichstest von Andrew Frankel, der den F40 nachhaltig beeindruckte. Seine Zusammenfassung: "In the art of deftly controlled savagery, the F40 knows no peers." ("In der Kunst der gekonnt kontrollierten Wildheit kennt der F40 keine Konkurrenz.")
1999 kehrte das Auto nach Großbritannien zurück. Nacheinander folgten David Darling, Craig Johnson, Karl McKeowen und ab 2007 Alistair Dyson als Eigentümer. Dyson behielt das Fahrzeug bis 2016.
Classiche-Zertifikat, 2. Platz in Maranello und umfangreiche Wartung
2016 erhielt Chassis 83249 das begehrte Ferrari Classiche Zertifikat, das Matching Numbers für Chassis, Motor, Getriebe und Karosserie bestätigt. Anlässlich des 70-jährigen Jubiläums lud Ferrari den Wagen zur Festveranstaltung nach Fiorano ein, wo er im Concours den zweiten Platz seiner Klasse belegte.
Später in Frankreich wurden im März 2019 die Kraftstoffblasen erneuert (gültig bis September 2028), begleitet von einer großen Inspektion. Im Oktober 2025 folgte eine weitere Wartung durch Emil Frey Sportivo, den offiziellen Ferrari-Partner in München. Seitdem wurde das Auto kaum bewegt; der Tacho zeigt nur 2.961 Meilen.
Der F40 wird mit umfangreicher Dokumentation angeboten, darunter Bordbuch, ein Ersatz-Serviceheft, ein Werkzeugsatz, der originale Frontspoiler, ein Schedoni-Koffer sowie die Motor Sport-Ausgabe von 1997 und die Trophäe für den zweiten Platz in Fiorano.
"Der letzte Ferrari, den Enzo sah"
Journalist Andrew Frankel fasste den F40 einst mit Blick auf Enzo Ferrari prägnant zusammen: "It s fitting therefore that, among all the wondrous road cars he built, there is none finer than the F40. It was the last one he saw." (Enzo Ferrari pflegte immer zu sagen, dass der beste Ferrari derjenige sei, den er noch nicht gebaut habe. Daher ist es nur passend, dass unter all den wunderbaren Straßenfahrzeugen, die er gebaut hat, keines besser ist als der F40. Es war das letzte, das er gesehen hat.") – Andrew Frankel
Mit seiner herausragenden Historie, minimaler Laufleistung, prominenter Erstzulassung und voll bestätigten Matching Numbers zählt Chassis 83249 zu den markantesten F40 überhaupt. RM Sotheby’s bietet das Fahrzeug am 5. Dezember 2025 in Abu Dhabi zu einem Schätzpreis von umgerechnet 2,75 bis 3,2 Millionen Euro an. Anfang 2023 war Prosts Ferrari zuletzt zum kauf angeboten worden – ebenfalls von RM Sotheby's und zum Schätzpreis von 2,5 bis 3,0 Millionen Euro. Der Verkaufspreis wurde damals nicht kommuniziert.