Ferrari 342 America 0130 AL Barnfind

Seltener Scheunenfund oder Schnäppchen?

Schnäppchen im Scheunenfund-Zustand oder teurer Schrott? Bei den Auktionen in Amelia Island kostete ein Ferrari 342 aus Promi-Vorbesitz viel weniger als erwartet.

Ferrari 342 America Coupé (1951) barnfind Foto: Gooding & Company 4 Bilder

Das US-Auktionshaus Gooding Christie's hat am 5. und 6. März 2026 während der Auktionen in Amelia Island (Florida, USA) einige Scheunenfunde versteigert, die teils Jahrzehnte in Schuppen lagerten. Ein ganz besonderes Exemplar ist ein Ferrari 342 America, der einmal dem Aston-Martin-Besitzer David Brown gehört hatte und erst kürzlich geborgen wurde. Zuletzt stand der Ferrari Jahrzehnte in einer Sammlung im US-Bundesstaat New York.

Verkauft zur Hälfte des Schätzpreises

Der Sportwagen mit 12-Zylinder-Frontmotor sollte 900.000 bis 1,2 Millionen US-Dollar kosten, umgerechnet rund 759.000 bis 1,0 Millionen Euro. Geboten wurde jedoch nur etwa die Hälfte des Schätzpreises. Weil das Auto ohne Mindestpreis versteigert wurde, genügten 533.000 Dollar, umgerechnet 458.380 Euro, für den Erwerb.

Der Ferrari 342 America zählt zu den exklusivsten Straßensportwagen der frühen Nachkriegszeit. 1951 vorgestellt, entstanden lediglich sieben Exemplare. Chassis 0130 AL ist das erste gebaute Fahrzeug der Serie – und das einzige mit einer Karosserie von Ghia. Sein Erstbesitzer war David Brown, der Eigentümer von Aston Martin und Stifter der Initialen DB, die an zahlreichen Aston Martin-Modellen prangen.

Rarität: 1 von 7 Ferrari 342 America

Der 342 America folgte auf den 340 America, von dem 23 Exemplare produziert wurden. Während der 340 noch stark vom Wettbewerbsgedanken geprägt war, konzipierte Ferrari den 342 von Beginn an als straßenorientierten Gran Turismo. Technische Basis war ein 4,1-Liter-Lampredi-V12. Das Aggregat, eng verwandt mit den Motoren des Ferrari 375 F1, leistete im 342 America rund 200 PS. Ein vollsynchronisiertes Vierganggetriebe sollte Komfort und Bedienbarkeit verbessern.

Gegenüber dem 340 America wuchs der Radstand um neun Zoll, das entspricht 22,86 Zentimetern. Trotz klarer Straßenausrichtung erhielten alle sieben 342 America gerade Fahrgestellnummern – üblicherweise Rennwagen vorbehalten. Der Namenszusatz "AL" steht für "America Lungo".

Chassis 0130 AL war das erste produzierte Exemplar. Dieser 342 hat als einziger eine Karosserie von Ghia. Die übrigen sechs 342 America wurden von Vignale und Pinin Farina aufgebaut. Insgesamt entstanden nur 36 Ferrari mit Ghia-Karosserie.

Messeauto in Paris und London

Ghia entwarf für 0130 AL ein eigenständiges Zwei-plus-zwei-Coupé. Die mutmaßliche Originallackierung in Dunkelblau mit silbergrauem Dach unterstrich den zurückhaltenden Charakter. Im Innenraum setzte sich das zweifarbige Konzept fort. Ein besonderes Detail ist das zentrale Jaeger-Instrument, das mehrere Anzeigen – von Drehzahl und Geschwindigkeit bis zu Kraftstoffstand sowie Öl- und Wassertemperatur – in einer Einheit bündelt.

Ferrari wählte 0130 AL als Werks-Showcar für das Debüt des 342 America. Vom 4. bis 10. Oktober 1951 war das Fahrzeug auf dem Pariser Salon im Grand Palais ausgestellt. Nur eine Woche später folgte der Auftritt bei der London Motor Show in Earls Court.

Erstbesitzer war Aston-Martin-Chef David Brown

In London präsentierte Brooklands of Bond Street den Ferrari. Das Unternehmen fungierte als offizieller britischer Konzessionär der Marke. Autosport-Journalist John Bolster lobte Sitzposition und Pedalanordnung. Auch Stirling Moss nahm im Wagen Platz und äußerte sich positiv zur Ergonomie. Der Preis lag bei 9.700 Pfund.

Nach den Messeauftritten kehrte 0130 AL im Februar 1952 nach Maranello zurück. Anschließend wurde der Wagen an seinen ersten privaten Besitzer ausgeliefert: David Brown, Eigentümer von Aston Martin Lagonda. Das Fahrzeug gilt als erster in Großbritannien verkaufter Ferrari-Straßenwagen.

Unter dem Kennzeichen "XMY 124" erschien das Coupé Mitte der 1950er-Jahre bei britischen Veranstaltungen, darunter Oulton Park. Später folgten weitere Eigentümer wie Colin Crabbe und Stephen Pilkington. Ende 1966 oder Anfang 1967 gelangte der Ferrari in die USA. Nach einem dokumentierten Besuch des Watkins Glen Sports Car Grand Prix im Juni 1967 verschwand das Fahrzeug für Jahrzehnte aus der Öffentlichkeit.