Oldtimer-Gutachten
VDI legt Standards für Oldtimer-Gutachten fest
Die Qualität von Oldtimer-Gutachten war bisher oft uneinheitlich. Eine neue VDI-Richtlinie schafft nun klare Standards und stärkt die Transparenz in der Branche.
02.04.2026 Redaktion auto motor und sport
Foto: VDI
Die Inhalte der VDI-MT 5900 Blatt 2.1
Die neue Richtlinie VDI-MT 5900 Blatt 2.1 erweitert die bestehende Richtlinienreihe um spezifische Anforderungen für Oldtimer-Gutachten. Sie legt fest, welche Kompetenzen Sachverständige nachweisen müssen, um qualitativ hochwertige und gerichtsfeste Gutachten erstellen zu können. Dazu gehören unter anderem:
- Sichere Feststellung der Fahrzeugidentität
- Bewertung von Dokumenten und historischen Quellen
- Kenntnisse des Zulassungsrechts
- Marktkenntnisse und fundierte Wertermittlung
- Technisches Wissen zu historischen Materialien und Fertigungsmethoden
- Bewertung von Zustand, Schäden und Originalität
- Festlegung fachgerechter Restaurierungs- und Konservierungsmethoden
- Gerichtsfeste Erstellung von Gutachten
- Einheitliche Fachterminologie und Berufsethik
Diese Anforderungen sollen sicherstellen, dass Gutachten nicht nur technisch korrekt, sondern auch rechtlich belastbar sind.
Die Rolle der DAkkS und die Zertifizierung
Ein zentraler Aspekt der neuen Regelung ist die Trennung zwischen Qualifizierung und Zertifizierung. Während die Qualifizierung durch Schulungen und Weiterbildungen erfolgt, darf die Zertifizierung ausschließlich von unabhängigen Stellen durchgeführt werden, die von der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) akkreditiert sind. Die DAkkS ist die einzige Institution in Deutschland, die gesetzlich beauftragt ist, die fachliche Kompetenz von Prüf- und Zertifizierungsstellen zu überwachen.
Sachverständige, die die Anforderungen der Richtlinie erfüllen, können sich in ein Sachverständigenregister eintragen lassen. Dieses Register soll als Qualitätsnachweis dienen und die Transparenz für Kunden und Versicherungen erhöhen.
Beteiligte Organisationen und Experten
Die Entwicklung der Richtlinie wurde von einem interdisziplinären Ausschuss geleitet, dem unter anderem die Restauratorin Dr. Gundula Tutt und der Sachverständige Frank Oesterle vorstehen. Zu den beteiligten Organisationen gehören Classic Data, die Initiative Kulturgut Mobilität (IKM), die Zertifizierungsstellen IQ-Zert und ZAK-Zert sowie Prüfunternehmen wie TÜV Rheinland und GTÜ. Auch Branchenverbände wie der VDA und der ZDK waren involviert.
Diese breite Beteiligung unterstreicht die Bedeutung der Richtlinie für die gesamte Oldtimer-Branche. Sie soll nicht nur die Qualität der Gutachten verbessern, sondern auch das Vertrauen in die Arbeit der Sachverständigen stärken.
Bedeutung für die Oldtimer-Community
Für Sammler, Käufer und Versicherungen bedeutet die neue Richtlinie mehr Sicherheit und Verlässlichkeit. Einheitliche Standards erleichtern die Vergleichbarkeit von Gutachten und schaffen eine solide Grundlage für Kaufentscheidungen und Versicherungsbewertungen. Auch für die Sachverständigen selbst bietet die Richtlinie Vorteile, da sie klare Vorgaben für die Qualifikation und Zertifizierung liefert.
Die Einführung der Richtlinie ist ein wichtiger Schritt, um die Qualität und Professionalität in der Oldtimer-Branche zu erhöhen. Sie zeigt, wie wichtig es ist, historische Fahrzeuge nicht nur als technische Objekte, sondern auch als Kulturgüter zu betrachten, die besondere Sorgfalt und Expertise erfordern.