Tesla-Antrieb für einen Oldtimer
8.000 Kilometer im Elektro-Käfer
Elektro-Umbauten klassischer Fahrzeuge sind längst mehr als Technikspielerei. Dieses Projekt zeigt, wie weit man mit einem historischen Käfer und moderner Antriebstechnik tatsächlich kommen kann.
05.01.2026 Redaktion auto motor und sport
Foto: Knepper Bugs & More/Sebastian Brühl
Ein VW Käfer 1303 aus dem Jahr 1975, technisch komplett neu aufgebaut und mit einem Elektroantrieb versehen, legt über 8.000 Kilometer zurück – von Deutschland bis nach Marokko. Realisiert wurde das Projekt von der Werkstatt Knepper Bugs & More aus Rahden. Unter dem Namen 1303 RS-E entstand ein Fahrzeug, das klassische Form mit aktueller Antriebstechnologie kombiniert – und dabei auf eigener Achse eine echte Langstrecke bewältigte.
Tesla-Technik im Heck, Porsche-Komponenten rundherum
Für den Antrieb sorgt ein Drehstrom-Asynchronmotor aus dem Tesla Model S Performance. Im unlimitierten Modus liefert die E-Maschine 647 PS und 674 Newtonmeter Drehmoment – für den Straßenbetrieb wurde die Leistung auf 200 PS begrenzt. Die nötige Energie liefern 17 Akkumodule aus dem Porsche Taycan mit 48 kWh Speicherkapazität, ausreichend für etwa 250 Kilometer Reichweite.
Das Fahrwerk wurde an die neuen Kräfte angepasst: vorn ein KW-Gewindefahrwerk aus dem Porsche 944 Turbo, hinten 25-mm-Drehstäbe mit Bilstein-B6-Dämpfern. Auch die Bremsanlage und Teile der Hinterachse stammen vom 944, ergänzt durch Antriebswellen aus dem 911 Turbo Typ 930.
Der Härtetest: Alltag auf 8.000 Kilometern
Im Mai 2025 trat der RS-E zur Bewährungsprobe an: Eine vierwöchige Reise über acht Länder, von Nordrhein-Westfalen über Frankreich und Portugal bis nach Tanger in Marokko. Die Überfahrt nach Afrika erfolgte – wie der Rest der Strecke – auf eigener Achse.
Geladen wurde meist an öffentlichen Typ-2-Säulen. Die Ladezeiten lagen je nach Infrastruktur zwischen sechs und acht Stunden. Trotz einzelner Lade-Herausforderungen auf der iberischen Halbinsel absolvierte der Käfer die komplette Strecke ohne technische Ausfälle.
Innen klassisch, außen dezent verändert
Die Optik blieb trotz technischer Tiefe angenehm zurückhaltend: Marathonblau lackierte Karosserie, Carbon-Kotflügel, dezenter Dachspoiler. Innen fügen sich modernisierte Recaro-Sitze aus dem BMW 2002 nahtlos ins historische Gesamtbild ein. Der Schalthebel wich einem digitalen Bedienpanel – Kupplung und Schaltung sind entfallen.
Unter der Rückbank sorgt eine Elektroheizung für angenehme Temperaturen – ein Detail, das auf langen Etappen deutlich mehr Relevanz besitzt als PS-Zahlen.