Ferrari 288 GTO mit bewegter Geschichte

Erst beschlagnahmt, dann in adeligem Besitz

Auf der Online-Auktionsplattform Bring a Trailer wird aktuell ein Ferrari 288 GTO versteigert. Die Versteigerung des 1985 gebauten Supersportwagens endet am 7. Juli 2026. Das Chassis 54225 zählt nicht nur zu den seltensten Ferrari seiner Zeit, sondern blickt auch auf eine ungewöhnliche Geschichte zurück.

Ferrari 288 GTO in der Auktion bei Bring a Trailer Foto: Bring a Trailer 9 Bilder

Ferrari stellte den Wagen im Dezember 1984 fertig. Er gehört zu den ersten 200 Exemplaren, die der Hersteller für die Homologation des 288 GTO in der FIA-Gruppe B produzierte. Bis 1986 entstanden insgesamt lediglich 272 Fahrzeuge. Zunächst lieferte Ferrari das Auto über den deutschen Händler Autoexpo Filderstadt an Ferrari of Houston in Texas aus. Von dort ging der Sportwagen an einen Sammler nach Mexiko.

Dort verlor der 288 GTO zunächst seine klassische Farbe. Der Besitzer ließ den ursprünglich in Rosso Corsa ausgelieferten Ferrari in Silbermetallic lackieren. Nach Angaben des Ferrari-Historikers Marcel Massini handelte es sich um den ersten 288 GTO überhaupt, der eine Umlackierung bekam. Erst einige Jahre später erhielt das Auto wieder seinen roten Werkslack.

Auch danach blieb die Historie ungewöhnlich. Der Ferrari wechselte mehrfach den Besitzer und stand zeitweise in den USA, Deutschland und den Niederlanden. 1993 beschlagnahmten niederländische Behörden das Fahrzeug im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen den damaligen Eigentümer. Erst Ende der 1990er-Jahre kehrte der 288 GTO in die USA zurück. Es folgten weitere Besitzer, darunter ein Ferrari-Rennfahrer und später ein Mitglied der saudischen Königsfamilie. Seit Anfang 2026 befindet sich das Auto im Besitz des jetzigen Verkäufers.

V8 mit Turboaufladung

Technisch zählt der 288 GTO zu den bedeutendsten Ferrari der 1980er-Jahre. Ferrari entwickelte ihn ursprünglich als Homologationsmodell für die Gruppe B. Hinter den Sitzen arbeitet ein längs eingebauter 2,9-Liter-V8 mit zwei IHI-Turboladern, Trockensumpfschmierung und Weber-Marelli-Einspritzung. Die Kraft gelangt über ein manuelles Fünfganggetriebe an die Hinterräder. Für die Karosserie setzte Ferrari auf Verbundwerkstoffe wie Kevlar und Glasfaser. Nach dem Aus der Gruppe B flossen viele technische Lösungen des Evoluzione-Projekts direkt in die Entwicklung des späteren Ferrari F40 ein.

2010 kehrte der Sportwagen nach Maranello zurück. Dort erhielt er eine umfassende Überarbeitung, an deren Ende auch die Ferrari-Classiche-Zertifizierung stand. Zum Fahrzeug gehören heute unter anderem das Ferrari-Classiche-Red-Book, ein Gutachten von Marcel Massini sowie zahlreiche Rechnungen und Unterlagen aus den vergangenen Jahrzehnten. Der Tacho zeigt rund 23.000 Kilometer. Laut Auktionstext liegen keine Hinweise auf Unfälle oder vergleichbare Schäden vor.

Immer wieder spektakuläre Preise bei Auktionen

Das aktuelle Gebot (Stand 1. Juli 2026) liegt bei 6,75 Millionen Dollar. Umgerechnet entspricht das 5,92 Millionen Euro. Die Preise für diese außergewöhnlichen Modelle haben seit 2025 stark zugelegt. Laut Marktbeobachter Hagerty hat sich der Preis verdoppelt. Während der Rétromobile in Paris hat Gooding Christie's einen Ferrari 288 GTO für 11,1 Millionen Dollar versteigert. Da klingen 6,75 Millionen Dollar noch fast wie ein Schnäppchen. Hagerty beobachtete im Januar 2026 innerhalb von zwei Wochen so viele Verkäufe dieses Modells wie sonst in zwei Jahren. Die Verkaufspreise lagen zwischen 7 und 11 Millionen Dollar. Es bleibt also spannend zu sehen, für welchen Preis dieses Fahrzeug über die Theke wandert.