Ferrari-Wertentwicklung 2026
Bezahlen Sammler mehr Geld für klassische Ferrari?
Wir haben nach der Präsentation des Elektro-Ferrari Luce die Preise zwölf klassischer Sammler-Ferrari analysiert und große Unterschiede gefunden.
29.05.2026 Andreas Of-Allinger
Foto: Michael/Kaal/Mecum Auctions
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Da half auch päpstlicher Beistand nicht. Als Ferrari-Chef John Elkann dem Heiligen Vater den neuen Luce zeigte, hatten Nutzer schon Memes zum neuen Elektro-Ferrari auf Social Media geteilt und Likes vergeben. Der ehemalige Ferrari-Chef Luca di Montezemolo empfahl, das Cavallino Rampante, das Markenzeichen mit dem springenden Pferd, zu entfernen. Fest steht, dass der Luce sehr groß und vor allem sehr hoch ist: Die Höhe von 1,54 Meter hängt damit zusammen, dass der Luce als erster Ferrari einen großen Akku zwischen den Achsen hat und ein Fünfsitzer mit großzügigem Innenraum sein soll. Mit einem Radstand von 2,96 Meter und einer Länge von 5,03 Meter überragt der Luce die Sportwagen des Hauses. Mit dem Purosangue, dem ersten Crossover aus Maranello, teilt er sich das Merkmal der gegenläufig öffnenden Türen.
Diskussionen um Luce-Design
Schon im Februar hatte das vorab gezeigte Cockpit des Luce für Diskussionen gesorgt. Der Elektro-Fünfsitzer steht mit seinem glattflächigen Design der kalifornischen Firma LoveFrom des Ex-Apple-Gestalters Jony Ive für eine neue Zeit bei Ferrari: Statt eines 12-Zylinders befindet sich hinter Fahrer und Beifahrer eine Rücksitzbank für zwei bis drei Passagiere. Die äußeren Plätze sind beheizbar und belüftbar, es gibt eine Massagefunktion.
Über jeden Zweifel erhaben sind die kommunizierten Leistungsdaten: Vier Elektromotoren, an jedem Rad einer, liefern eine Systemleistung von 772 kW, in alter Währung 1.050 PS, und ein Drehmoment von 990 Newtonmeter. In 2,5 Sekunden sind aus dem Stand 100 km/h erreicht und nach 6,8 Sekunden 200 km/h. Ferrari gönnt dem Luce 310 km/h Höchstgeschwindigkeit – extrem schnell für ein Elektroauto. Ladeleistung und Reichweite sind guter Standard in der Elektro-Oberklasse: 350 kW und 530 Kilometer nach WLTP. Die entscheidenden Komponenten vom Akku bis zu den Elektromotoren fertigt Ferrari selbst. Der Preis soll bei gut 500.000 Euro liegen.
Werden klassische Ferrari teurer?
An der Börse von Mailand sank die Ferrari-Aktie nach der Luce-Präsentation von 310 auf unter 290 Euro. Eine Marktreaktion, die Goldman-Sachs-Analyst Christian Frenes als übertrieben bezeichnete. Die Frage nach der Auswirkung des Luce auf den Sammlermarkt klassischer Ferrari beantwortet Frank Wilke, Chef des Oldtimer-Marktanalysten Classic-Analytics, eindeutig: Einen Einfluss auf die Preise klassischer Ferrari sehe ich nicht." Wilke verweist auf eine ähnliche Situation bei einem anderen Sportwagenhersteller: Als Porsche vor rund 20 Jahren den Cayenne präsentiert hat, sorgten Design und Konzept des ersten SUV der Marke für teils heftige Diskussionen. Einen Einfluss auf die Werte klassischer Porsche hatten das Auto oder die Debatte darüber nicht.
Die Entwicklung der Preise klassischer Ferrari ist eher vom Markt und dem Generationenwechsel getrieben: Autos der Sechzigerjahre sinken aktuell im Wert. Da machen auch 12-Zylinder-Ferrari keine Ausnahme, wie ein Vergleich der Zahlen über zwölf Monate zeigt. Wer dieses Jahr einen 250 GT Tour de France verkauft, bekommt 500.000 Euro weniger als noch vor einem Jahr. Ein leichtes Plus brachte hingegen der 70er-Jahre-12-Zylinder 365 GTB/4 Daytona: Der ist in gutem Zustand 200.000 Euro mehr wert als noch 2025.
Ein enormes Plus gab es hingegen bei den jüngeren Sammlerautos: F50 und Enzo legten innerhalb eines Jahres siebenstellig zu. Zuletzt sorgten vor allem die Auktionsergebnisse von Exemplaren, die nicht rot lackiert sind, für Aufsehen. Im Januar erzielte ein gelber Enzo bei einer Mecum-Auktion einen neuen Rekordpreis von umgerechnet 15,37 Millionen Euro. Bei derselben Auktion wurde ein F50 für umgerechnet 10,49 Millionen Euro verkauft – auch das ein neuer Rekordpreis für dieses Modell.