Tuning und H-Kennzeichen
Was ist original - und was nicht?
Wer Oldtimer tunt, kann seine H-Zulassung verlieren – richtig oder falsch? Wir haben mit einem TÜV-Experten gesprochen.
01.08.2026 Andreas Of-Allinger
Foto: Keno Zache/RM Sotheby's
Der Generationenwechsel in der Oldtimerszene bringt interessante Phänomene mit sich: tiefergelegte Benz mit breiten Rädern, japanische Sportwagen der 90er mit Spoilern, Endrohren und Motorleistungen, die sicher nicht serienmäßig waren, Porsche 911 mit Gewindefahrwerk und Cuprohr.
Nicht jeder mag es original und bestimmte Modifikationen verbessern damals wie heute die Performance oder die Alltagstauglichkeit.
Was möglich ist, wird im Einzelfall mit der Prüforganisation geklärt. Der § 23 StVZO definiert, dass ein Oldtimer mindestens 30 Jahre alt, in gutem Zustand und zeitgenössisch sein muss.
Was ist eine zeitgenössische Modifikation?
"Das H-Kennzeichen lässt zeitgenössische Modifikationen zu", erklärt Markus Tappert vom TÜV Hanse und erklärt die Grenzen an einem konkreten Beispiel: "Bei Radgrößen, Reifenbreiten und Designs, die es damals nicht gab, sind wir raus bei den H-Kennzeichen."
Ob eine Modifikation historisch korrekt ist, muss der Kunde bei der H-Abnahme nachweisen. Tappert: "Grundsätzlich ist der Kunde in der Nachweispflicht. Zum Beispiel mit alten Gutachten, Katalogen oder Zeitschriften. Wenn es ein Trend war, muss es in der Presse auftauchen."
Wer muss die Originalität nachweisen?
Es kann also helfen, zeitgenössische Dokumente wie etwa Zubehörkataloge oder Zeitschriften zum eigenen Auto zu besitzen und im Zweifel vorlegen zu können, um nachzuweisen, dass bestimmte Modifikationen schon zur Bauzeit des Modells üblich waren. Der Rahmen, was als zeitgenössisch gilt, ist klar definiert: Was zum Zeitpunkt der Erstzulassung und in den zehn Jahren danach üblich war, kann auch heute an einem Oldtimer als original gelten.
Und das hat Auswirkungen, wie Tappert berichtet: "Wir sind mit den späten 80er- und frühen 90er-Jahren in die Hochphase des Tunings angekommen. Da muss man nur alte Zubehör-Kataloge anschauen, was es damals alles gab."