Greyhound-Scenicruiser von 1954 wird versteigert

Der kam zuerst mit Vierzylinder, dann mit V8

Mecum Auctions versteigert im November ein Stück amerikanischer Verkehrsgeschichte, die das traditionelle US-Straßenbild geprägt hat.

1954 GMC PD4501 Scenicruiser Passagier-Bus Foto: Mecum Auctions, Inc. 7 Bilder

In den 1950er-Jahren besaß das Reisen auf der Straße auch in den USA einen besonderen Glanz. Ob die Fahrt im Straßenkreuzer über die Route 66 oder im Reisebus – der Transport von A nach B bot Stil und Komfort. Heutige Fernbusse dienen eher dem Zweck, Passagiere möglichst günstig von einem Ort zum nächsten zu befördern.

Ein General Motors PD-4501 Scenicruiser glich dagegen einem mobilen Statement. Zwischen 1954 und 1956 entstanden etwa 1.001 Exemplare für die Busgesellschaft Greyhound. Am 14. November 2026 kommt das allererste produzierte Fahrzeug in Las Vegas unter den Hammer.

Das markante Split-Level-Design

Der Scenicruiser prägte das Straßenbild der 1950er-Jahre ähnlich stark wie die Fahrzeuge mit Heckflossen und Chromverzierungen. Die vom Industriedesigner Raymond Loewy entworfene Split-Level-Architektur lieferte den entscheidenden optischen und funktionellen Reiz. Das Konzept erinnerte an die gläsernen Aussichtswagen nordamerikanischer Züge.

Zehn Passagiere saßen auf dem Unterdeck, während 33 Reisende im Oberdeck durch Panoramascheiben blickten. Unter dem erhöhten Fahrgastraum bot ein großer Gepäckraum ausreichend Stauraum. Gleichzeitig verhinderte die abgestufte Bauweise, dass die Gesamthöhe, die von Doppeldeckern nicht überragte. Somit war das Durchfahren von Brücken oder Tunneln kein Problem. Aluminiumverkleidungen an der Außenseite erfüllten den damaligen Wunsch nach glänzenden Oberflächen.

Zu Beginn kein V8-Motor

Die Technik bereitete den Betreibern jedoch Kopfzerbrechen. Da General Motors zu Beginn der Produktion noch keinen passenden V8-Dieselmotor anbot, griff der Hersteller auf zwei nebeneinander montierte Vierzylindermotoren zurück.

Diese ungewöhnliche Anordnung erschwerte die Instandhaltung, weshalb Fachbetriebe die Busse später umrüsteten. So auch das Auktionsfahrzeug. Der Scenicruiser bekam einen Detroit Diesel Series 8V-71 V8, mit manuellem Vierganggetriebe. Eine Luftfederung und Weißwandreifen gehören ebenfalls zur Ausstattung.

Trotz aller technischen Hürden setzte Greyhound die Scenicruiser bis in die 1970er-Jahre ein. Konkurrenzanbieter entwickelten daraufhin eigene Nachbauten. GM selbst brachte zwar keinen direkten Nachfolger auf den Markt, griff aber einige Designelemente bei der späteren Baureihe Buffalo Bus auf. Von den einst 1.000 Scenicruisern existieren heute schätzungsweise noch rund 200 Exemplare.

Mecum nennt im Vorfeld keinen Schätzpreis für das historische Einzelstück. Ein unrestauriertes Exemplar wechselte 2024 auf einer Online-Plattform für 50.000 Dollar (43.760 Euro) den Besitzer. Angesichts des komplett restaurierten Zustands und des Status als Produktionsnummer 001 dürfte der Verkaufspreis hier deutlich höher ausfallen.