Hochdrehzahl-Japaner zum Rekordpreis versteigert

204.204 Dollar für einen Honda

Bei bringatrailer.com wurde ein Integra Type R für 204.204 Dollar versteigert. Das ist ein neuer Rekord für das 90er-Jahre-Sportcoupé mit Hochdrehzahlmotor.

Acura / Honda Integra Type-R (2001) Foto: bringatrailer.com/RTCH_Cars 20 Bilder

Wer für einen Acura Integra Type R, der in Europa als Honda verkauft wurde, ähnlich viel Geld bezahlt wie für zwei gute Honda NSX oder einen ladenneuen Porsche 911 GTS, wissen wir nicht. Der Höchstbietende wird seine Gründe gehabt haben, eine sechsstellige Summe für den Vierzylinder zu bezahlen. Es ist nicht das erste Mal, dass in den USA ein erstaunlich hoher Preis für das Sportcoupé mit Hochdrehzahlmotor bezahlt wird.

204.204 Dollar: Rekordpreis für Integra Type R

Bei 204.204 US-Dollar, umgerechnet 173.840 Euro, bekam der Höchstbietende den Zuschlag für einen phönixgelben Acura Integra Type R. Der Preis ist ein neuer Rekord für das Modell: Der bisher höchste Preis hatte seit 2023 bei 151.200 Dollar gelegen. Für diese Summe hatte Broad Arrow einen Integra Type R versteigert. Dieses Auto hatte zwei Vorbesitzer und gerade einmal 6.200 Meilen (9.920 km) auf dem Tacho. Am 29. Juni 2022 war, ebenfalls auf bringatrailer.com, ein Type R für 117.112 Dollar versteigert worden.

Nur 1.322 Type R in den USA

Ein Grund könnte in der Seltenheit des Autos liegen: Nur 320 Integra Type R wurden 1997 in Nordamerika (USA und Kanada) verkauft. Im Jahr darauf waren es 1.002. Macht 1.322 Type R der ersten beiden Baujahre, die ausschließlich in Championship White lackiert wurden. Die beiden Jahrgänge 2000 und 2001, wahlweise gelb oder schwarz lackiert, verkauften sich mit 1.355 und 1.173 Stück etwas besser. Bei dem verkauften Exemplar in Phoenix Yellow handelt es sich um Nummer 1.086 von 1.173 aus dem Jahr 2001. Das ist übrigens auf einer Plakette im Innenraum vermerkt. Für Deutschland hatte Honda 500 Integra Type R vorgesehen – bei über 1.000 Bestellungen.

Nur 4.800 Meilen auf dem Tacho

Der zweite Grund ist sicher die geringe Laufleistung: 4.800 Meilen (7.680 km) hat der versteigerte Integra auf dem Tacho. Der Verkäufer hatte das Auto 2014 vom Erstbesitzer gekauft und in seine Halle zu anderen Acura und Honda gestellt. Carfax und Wisconson Title sind sauber, das versteht sich an dieser Stelle von selbst. Innenraum, Motorraum und Unterboden zeigen keinerlei Spuren. Das Öl wurde laut Beschreibung zuletzt 2020 gewechselt, die Batterie und die Hydraulikflüssigkeiten 2022 – hier empfiehlt sich also unabhängig von der geplanten Nutzung eine große Inspektion mit dem Tausch aller Flüssigkeiten.

Kompromisslos sportlich

Acura Honda Integra Type R (1997) Foto: Broad Arrow
Hochdrehzahl-Motor und Leichtbau prägen den Charakter des Integra Type R.

Das etwas biedere Integra Coupé hatte Honda konsequent umgestrickt: Die Karosserie wurde gezielt versteift und erleichtert. Geräuschdämmung flog ebenso raus wie Heckscheibenwischer und Schminkspiegel. Eine dünnere Windschutzscheibe und leichtere 15-Zoll-Räder reduzierten das Gewicht weiter, sodass der 2+2-Sitzer am Ende 1.145 Kilogramm auf die Waage brachte.

Der vorn quer eingebaute 1,8-Liter-Vierzylinder-DOHC-VTEC wurde gezielt zum Hochdrehzahl-Athleten trainiert: mit einer auf 11:1 erhöhten Verdichtung (USA: 10,6:1), handpoliertem Ansaugtrakt, einer Auspuffanlage mit 30 Prozent weniger Gegendruck und verstellbarer Einlassnockenwelle steigt die Literleistung des Saugmotors auf über 100 PS: Bei 1,8 Liter Hubraum macht das 190 PS bei 7.900/min in der Europa-Version, 195 in den USA und 200 in Japan. Das maximale Drehmoment von 178 Nm lag bei 7.300/min an. Der Drehzahlbegrenzer setzte je nach Markt bei 8.500 oder 8.600/min ein.

Honda Integra Type R im Test

Diese kompromisslose Auslegung verleiht dem Type R einen eindeutigen Charakter. "Durchs Raster einer objektiven Punktwertung würde der Integra Type R glatt durchfallen, aber in der Fahrspaßwertung fährt er seinen Konkurrenten auf und davon", schrieb Thomas Fischer in auto motor und sport 7/1998. Der Autor beschrieb das Fahren mit dem Coupé so: "...die Lenkung ist stößig, die Schaltung knackig, die Federung trocken, das Gaspedal scheint direkt mit den Drosselklappen verbunden zu sein, die Bremsen packen kraftvoll und ohne Fading zu – kurz: Der Integra R offeriert Fahren ohne Filter."

Acura Honda Integra Type R (1997) Foto: Broad Arrow
"Fahren ohne Filter", stand im Test der auto motor und sport.

Ein seltenes, kompromisslos sportliches Auto mit einem hochdrehenden Saugmotor, das als einer der am besten liegenden Fronttriebler seiner Zeit gilt. Fehlt noch ein guter Grund, viel Geld für genau diesen Acura Integra Type R zu bezahlen – eine Summe, für die es auch zwei NSX gäbe.