Peugeot 306 Cabrio (1994-2002)

Kompakter Viersitzer mit Stoffverdeck

Nicht nur BMW konnte elegante Cabrios mit Stufenheck bauen. Mit dem offenen 306 kommt uns ein eleganter Viersitzer in den Sinn, der für kleines Geld große Freude macht.

Peugeot 306 Cabrio YT 02/2018 Foto: Archiv 17 Bilder

Wir haben zunehmend vergessen, wie stilsicher Peugeot-Cabriolets einmal gezeichnet waren. 208 und 308 CC, die Knubbel mit dem stählernen Klappdach, waren ja angetreten mit der Macht des technischen Fortschritts, uns die Schönheit eines einfachen Stoffdaches aus dem Gedächtnis zu blitzdingsen. Vergebens, wie wir heute wissen. Denn irgendwann begegnet man sogar im tiefen Winter einem 306 Cabrio, verziert mit Schneematschresten hinter den Radhäusern und an den Schwellern, überzogen von grauen Flecken auf dem vielleicht wirklich noch glänzenden Lack darunter.

„Survivor“, das Wort wäre zu groß für diese offensichtlich ganzjährig genutzten Cabrios. Aber so richtig prall ist das Angebot nicht mehr an jenen eleganten Viersitzern, von denen Peugeot von 1994 bis 2002 knapp 78.000 Exemplare gebaut hat. Die Internetbörsen spucken aktuell kaum mehr als 120 Treffer aus, wenn man in die Suchmaske die Worte „Peugeot 306 Cabrio“ eingibt. Mag sein, dass das Angebot im Frühling wieder größer wird, weil jemand für den Verkauf die Gunst der ersten sonnigen Stunden nutzen möchte. Aber fest steht: Mainstream geht anders.

Preise Gebrauchtmarkt: You get what you pay

Also machen wir mal ein wenig Appetit auf den Frühling und den Sommer, der dieses Jahr mal wirklich gelingen muss. Die wenigsten 306 Cabrios, die bis heute überlebt haben, sind noch im Concours-Zustand, aber das müssen sie ja auch nicht, um Spaß zu bereiten – morgens auf dem Weg zur Arbeit, abends auf der Chill-out-Tour durchs Ländle oder später im Jahr dann Richtung Urlaub. Wer nach offenen 306 sucht, findet sowohl abgerockte Exemplare für Dreistelliges mit wahrscheinlich undichtem Verdeck und ungepflegter Mechanik, aber doch auch späte Exemplare der 1997 begonnenen, an geänderten Schürzen und runden Nebelscheinwerfern zu erkennenden zweiten Serie mit Laufleistungen weit unter 100.000 Kilometern zu Preisen ab etwa 3.000 bis über 4.000 Euro.

Da ist also für jeden was dabei, und erfahrungsgemäß gilt auch bei diesem Auto: You get what you pay for. Das bezieht sich nun eher auf den technischen Zustand als auf das Konzept, das ja unter mangelnder Pflege oder intensiver Nutzung nicht leidet. Und das Konzept des offenen 306, der ein Jahr nach dem Schrägheck auf den Markt kam, ist einfach rundum lecker.

Fahrverhalten und -komfort: stürmisch kurschelig

Den Überrollbügel, der den Golf zum Erdbeerkörbchen machte, verkniffen sich Peugeot und sein Haus-und-Hof Designer Pininfarina, der auch den Herzensbrecher 205 gezeichnet hat. Der 306, der noch freundlich in die Welt schaut und nicht grimmig wie seine Nachfolger, ist grenzenlos offen und verstärkt diese schöne Eigenschaft noch durch eine wunderbar niedrige Fensterlinie, die dem Wind viel Spielraum lässt, weil die Windschutzscheibe schön weit vorn sitzt und nicht zu weit aufragt.

Es geht also stürmisch zu, wenn alle Fenster (selbstverständlich elektrisch betätigt) heruntergefahren wurden. Ganz besonders gilt dies natürlich für die Rücksitzbank, auf der zwei Erwachsene schon irgendwie unterkommen, aber sich schon mögen und auf Entgegenkommen der vorn sitzenden Mitfahrer bauen müssen.

Peugeot 306 Cabrio YT 02/2018 Foto: Archiv

Dass man ein Cabrio bewegt, bleibt auch wegen der Windgeräusche bei geschlossenem Dach nicht unbemerkt. Das Verdeck ist zwar gefüttert und sitzt wunderbar leicht auf diesem 4,20-Meter-Auto, das durch sein Stufenheck schön gestreckt wirkt. Ein Leisetreter ist es aber nicht. Schon ab 130 km/h rauscht es ziemlich in diesem Peugeot, und wer sich in Richtung Höchstgeschwindigkeit aufmacht, wird selbst im langsamsten 306 Cabrio, dem 1,6-Liter mit nur 89 PS, das Radio sehr weit aufdrehen müssen, um noch etwas zu verstehen.

Peugeot 306 Cabrio YT 02/2018 Foto: Archiv

Doch ein sportlicher, schneller Wagen wollte der weich gefederte und für manchen Geschmack auch unterdämpfte, dabei durchaus agile 306 ja nie sein. Er liebt es lässig, wozu seine durchzugsstarken Motoren ihr Scherflein beitragen. Die Zahnriemen-Zweiventiler erlauben eine schaltfaule Fahrweise, wobei das Schalten selbst durchaus ein freudvoller Vorgang ist: Die Fünfgang-Boxen sind fluffig zu bedienen und sperren sich auch gegen schnelle Gangwechsel nicht. Der späte Zweiliter-16V lockt zwar mit 132 PS, liefert sein Drehmoment aber sehr spät. Gefühlt ist er nur beim Ausdrehen schneller als der Zweiliter-Zweiventiler mit 121 PS. Der ist ohnehin die angenehmste Motorisierung für diesen leichten Sommerwagen.

Sehr rar sind Automatikversionen, die es vom 1,8-Liter und auch vom Zweiliter gab. Doch erstrebenswert sind sie heute im Grunde nicht. Vier mit reichlich Wandlerschlupf aufwartende Gänge sind heute, wo wir von Acht- und Neungangautomaten oder Direktschaltgetrieben verwöhnt sind, halt doch etwas wenig und bremsen das erfreuliche Temperament der langlebigen und anspruchslosen Motoren doch sehr. Dessen ungeachtet gehen Gangwechsel meist sanft vonstatten. Ruckt es auffällig oder schaltet das Getriebe unwillig, hilft womöglich ein schlichter Wechsel des Getriebeöls. Bringt der keinen spürbaren Erfolg, wird es Zeit für ein Austauschgetriebe – hin und wieder bekommt man welche sehr günstig vom Verwerter.

Checks vor dem Kauf: Dinge, auf die Sie achten sollten

Schon als Neuwagen war das Cabrio keine feste Burg, sondern ein verwindungsfreudiges offenes Auto. Im Alter, womöglich noch nach Jahren mit gekürzten, weil ach so sportlichen Fahrwerksfedern, ist das natürlich nicht besser geworden. An Knarzgeräusche sollte man sich also gewöhnen, um mit diesem Peugeot längere Zeit glücklich zu werden.

Dem stehen die Motoren und die Getriebe nicht im Weg. Die Triebwerke sind robust und dauerhaltbar, lediglich die kleineren Vierzylinder blasen gern mal durch die Zylinderkopfdichtung. Die Auspuffanlagen sind schon mal undicht und eröffnen ebenso wie verschlissene Bremsen Spielraum für die Preisverhandlungen. Beim Check vor dem Kauf lohnt auch ein Blick auf den Unterboden, denn nicht selten finden sich dort kleinere Roststellen. Ansonsten ist die Karosserie gut geschützt vor Korrosion, sodass auch nach Jahren kaum Handlungsbedarf besteht.

Peugeot 306 Cabrio YT 02/2018 Foto: Archiv

Probleme mit Zündspulen sind ebenso bekannt wie ausgefallene Fensterheber oder gar Unpässlichkeiten des Verdeckantriebs. Bei dem ist häufig mangelnde Wartung der vielen Scharniere der Grund für Gewürge beim Öffnen und Schließen. Ist die Kunststoffheckscheibe milchig, lässt sich der Grauschleier mit Polierpaste meist weitgehend entfernen. Ein Austausch ist nicht billig, ein Riss keine Kleinigkeit. Teuer wird es, wenn die Verdeckdichtungen ihren Namen nicht mehr verdienen. Eine Fahrt in die Waschstraße kann zur Dichtigkeitsprüfung daher nicht schaden. Alles aber kein Grund, einen fair gepreisten 306 stehen zu lassen. Der Sommer kommt bald, und mit ihm der Spaß auf der Landstraße.

Peugeot 306 Cabrio YT 02/2018 Foto: Archiv

Preise

Beim Blick auf die Preise kann man ein vorfreudiges Kribbeln kaum verhindern. Für kaum mehr als 3.000 Euro bekommt man schon gepflegte Exemplare ohne Wartungsstau. Wer nach einem frühen 1,8-Liter sucht, kann regelrechte Schnäppchen machen. Der 2.0 16V kostet am meisten, ist aber nicht der harmonischste 306.

Bei Einführung  (Peugeot 306 Cabrio 2.0 (121 PS)) :
44.300 Mark

Schwachpunkte

  1. Kopfdichtung
  2. Auspuff undicht
  3. Heckscheibe
  4. Wasserschläuche
  5. Bremsen
  6. Verdeck und Verdeckdichtungen
  7. Komfortelektrik
  8. Zündspulen
  9. alter Zahnriemen
Peugeot 306 Cabrio YT_2018_02 Schwachpunkte Skizze