Vergangene Marken Sonderschau
Wer kennt diese Autohersteller?
Die Sonderschau "Vergangene Marken" der Klassikwelt Bodensee 2026 vereinte zahlreiche Fahrzeuge von Herstellern, die heute nicht mehr produzieren. Sieben davon zeigen, wie weit der Bogen reicht.
20.06.2026 Carina Mollner
Foto: Carina Mollner
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Lloyd, Borgward, Heinkel oder Venturi: Namen, die früher auf Kühlergrills und Kofferdeckeln selbstverständlich waren und heute kaum noch jemand kennt. Man findet sie eher in Sammlungen, Museen oder auf der Klassikwelt Bodensee 2026. Die Veranstalter ehrten nämlich vom 12. bis 14. Juni in der Sonderschau "Vergangene Marken" genau diese Fahrzeuge. Die Organisatoren wählten gezielt Modelle aus, die einst das Straßenbild und die technische Entwicklung prägten.
Inhaltlich spannte die Sonderschau einen breiten Bogen: von Vorkriegsfahrzeugen über die Nachkriegsjahre bis hinein in die 1990er-Jahre. Entsprechend vielfältig fielen die Karosserie- und Fahrzeugkonzepte aus – vom offenen Tourer und der Limousine über Klein- und Kleinstwagen bis zum Sportcoupé und Rennableger.
Zusätzlich verbildlichte diese Sonderschau die neue Kooperation der Klassikwelt Bodensee mit dem Techno Classica Salon und war ein erstes Ergebnis aus dieser Partnerschaft. Diese sieben Modelle haben und besonders gefallen.
Hillman Sports Tourer (1934)
Der britische Automobilhersteller Hillman gehörte ab Ende der 1920er-Jahre zur Rootes-Gruppe. Diese bündelte unter ihrem Dach mehrere Hersteller, Hillman lieferte dabei über viele Jahre das Volumensegment mit offenen Cabriolets oder geschlossenen Limousinen. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb Hillman mit Baureihen, wie dem Minx lange präsent, geriet aber später unter wirtschaftlichen Druck. Ende der 1960er-Jahre übernahm Chrysler die Rootes-Gruppe, in den 1970ern verschwand der Markenname Hillman schrittweise aus dem Neuwagenprogramm.
Der in der Sonderschau gezeigte Hillman Sports Tourer ist Baujahr 1934 und steht damit am Anfang des zeitlichen Bogens der Ausstellung. Unter der Motorhaube arbeitet ein Vierzylindermotor mit 1176 cm³ und 30 PS. Als Produktionszeitraum nennt die Ausstellungstafel 1932 bis 1937. Der offene Aufbau mit freistehenden Kotflügeln und langer Haube war typisch für Vorkriegsfahrzeuge, nicht nur in Großbritannien.
Heinkel Kabinenroller B150
Heinkel ist als Unternehmen hauptsächlich aus dem Flugzeugbau bekannt und stieg nach dem Krieg in die Zweirad- und Kleinfahrzeugproduktion ein. 1954 begann die Entwicklung der Kabine. Heinkel montierte die Fahrzeuge im Werk Speyer und baute dort bis zum Sommer 1958 rund 11.000 Kabinen. Danach verlagerte das Unternehmen die Produktion nach Irland und ließ parallel Kabinen in Argentinien in Lizenz fertigen. Ab 1961 führte Trojan das Konzept in England als Heinkel-Trojan in geänderter Form weiter.
Die kleine, rote Kugel sticht aus der Ausstellung hervor. Das Modell heißt B150 und stammt aus dem Jahr 1956. Der Einzylinder-Viertakter hat 174 Kubikzentimeter Hubraum und leistet 9,2 PS. Die Kabine schaltet vier Vorwärtsgänge und einen Rückwärtsgang über eine Kulissenschaltung. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 86 km/h. Heinkel baute die Kabine mit selbsttragender Karosserie und formte und verschweißte sie in Handarbeit. Seitenscheiben und Heckscheibe bestehen aus Plexiglas. Das Fahrzeug hat ein Faltdach, das damals auch als vorgeschriebener Notausstieg diente. Dieses Exemplar ist ein Exportmodell für die Schweiz, stand dort zwei Jahre als Ausstellungsstück im Schaufenster eines Händlers und wurde erst 1958 zugelassen.
Lloyd LP 600 Alexander
Lloyd war die Kleinwagenmarke der Borgward-Gruppe und hatte ihren Sitz in Bremen. Nach dem Krieg stieg die Nachfrage nach bezahlbarer Individualmobilität, woraufhin Lloyd zunächst sehr einfache Fahrzeuge baute. Mitte der 1950er-Jahre rüstete der Hersteller technisch und konstruktiv auf, wobei der Wechsel vom Zweitakt- zum Viertaktmotor ein entscheidender Schritt war.
Der Lloyd 600 setzte auf einen luftgekühlten Zweizylinder-Viertaktmotor. Gleichzeitig entwickelte sich die Karosserie weiter – weg von frühen, teils noch aus Holz bestehenden Aufbauten hin zu Stahlkonstruktionen auf einem Zentralrohrrahmen. Als die Borgward-Gruppe 1961 zusammenbrach, endete auch Lloyd als Neuwagenmarke.
Der LP 600 Alexander ist eine Weiterentwicklung des Lloyd 600 und kam 1957 ins Programm. Im Mittelpunkt standen praktische Verbesserungen: ein von außen zugänglicher Kofferraum statt einer nur von innen erreichbaren Gepäckablage und voll versenkbare Kurbelfenster. Statt eines einfachen Dreiganggetriebes zog ein synchronisiertes Vierganggetriebe mit Lenkradschaltung ein. Unter der Motorhaube saß ein luftgekühlter 596‑Kubikzentimeter‑Zweizylindermotor mit 19 PS.
Borgward Isabella
Nach dem Lloyd Alexander, der durch Detailverbesserungen und Sparsamkeit punktete, setzt Borgward mit der Isabella ein anderes Signal: Mittelklasse statt Kleinwagen und ein Modell, das für die Marke bis heute das Aushängeschild ist.
Die Isabella entstand in Bremen-Sebaldsbrück und lief von 1954 bis 1961 aus den Fabrikhallen. Zu Beginn trug sie noch den Namen Hansa 1500; "Isabella" war ursprünglich ein Tarnname, der später zum offiziellen Modellnamen wird. Die Baureihe blieb im Kern zweitürig (Kombi: dreitürig), dazu kamen Varianten wie das Coupé oder das hier gezeigte Cabriolet.
Technisch war die Isabella als Neukonstruktion ausgelegt. Borgward setzte auf eine selbsttragende Karosserie, vorn Doppelquerlenker mit Schraubenfedern und Stabilisator sowie hinten eine Pendelachse mit Schubstreben und Schraubenfedern. Dazu kamen moderne Bedien- und Antriebskomponenten der Zeit, etwa ein vollsynchronisiertes Vierganggetriebe mit Lenkradschaltung und eine hydraulisch betätigte Kupplung. Für den Vortrieb sorgte ein Vierzylinder mit 1,5 Liter Hubraum und zwischen 60 und 75 PS.
AMC Rambler Classic 770
American Motors Corporation (AMC) positionierte sich zwischen den drei Konzernen General Motors, Ford und Chrysler. AMC entstand 1954 aus dem Zusammenschluss von Nash und Hudson und nutzte die Marke Rambler als wichtiges Standbein im Volumensegment. Anfang der 1960er-Jahre spielte Rambler zeitweise in der US-Absatzstatistik weit vorn mit; 1961 lag Rambler in den USA nach Stückzahlen auf Rang drei. Parallel versuchte AMC, über Export und Montage im Ausland zusätzliche Märkte zu erschließen. In Europa tauchten die Wagen dadurch nicht nur als US-Importe auf, sondern teils auch als lokal montierte Varianten. Der Rambler Classic lief von 1961 bis 1966 und ersetzte die Vorgänger Rambler Six und Rambler Rebel V8. Über die Bauzeit war er einer der wichtigsten Umsatzträger von AMC. Je nach Jahrgang gab es ihn als Limousine, Kombi, Coupé und später auch als Cabriolet. Das ausgestellte Fahrzeug ist ein Classic 770 aus 1965, also aus der letzten Modellgeneration mit großer Überarbeitung. Der V8-Motor hat 4,7-Liter-Hubraum und 200 PS.
Glas 1700 TS (1967)
Die Hans Glas GmbH aus Dingolfing bekam in den 1950er-Jahren mit Kleinwagen Bekanntheit und versuchte ein Jahrzehnt später den Sprung in die Mittelklasse. Dafür holte Glas Design- und Entwicklungsimpulse von außen. Den Entwurf für eine viertürige Limousine ließ das Unternehmen bei Pietro Frua ausarbeiten. Ein Prototyp stand im September 1963 als Glas 1500 auf der IAA, doch in der Erprobung zeigte sich, dass der Wagen mit 1,5 Litern zu wenig Reserven hatte. Glas reagierte mit mehr Hubraum: 1964 kam der Glas 1700, ab September 1965 folgte der stärkere 1700 TS. Ende 1967 verschwanden die Limousinen nach der Übernahme von Glas durch BMW aus dem Programm. BMW hatte mit 1800 und 2000 eigene Modelle in derselben Klasse. In drei Jahren entstanden insgesamt 13.792 Glas-Limousinen, der TS blieb mit 928 Exemplaren die seltenere Variante.
Der Glas 1700 TS war die sportlichere Ausführung der Baureihe und kam ab September 1965 auf den Markt. Der Motor leistete 100 PS aus 1682 cm³. Das passte zum Anspruch einer Mittelklasselimousine, die nicht nur über Platz, sondern auch über Fahrleistungen argumentieren sollte. Konstruktiv nutzte Glas klassische Technik: vorn Einzelradaufhängung mit Doppelquerlenkern und Scheibenbremsen, hinten eine Starrachse und Trommelbremsen. Der ausgestellte Wagen ist Baujahr 1967 und gehört damit in das letzte Produktionsjahr der Baureihe, kurz bevor BMW das Glas-Programm beendete.
Venturi 400 Trophy GTR (1995)
Venturi war ein französischer Sportwagenhersteller aus Cholet in der Region Pays de la Loire. Bei der Gründung 1984 war die Firma zunächst unter dem Namen Manufacture de Voitures de Sport bekannt. Die Serienfertigung startete 1987. Venturi blieb ein kleiner Anbieter und konzentrierte sich auf zweisitzige Sportwagen mit Mittelmotor. Als technische Basis diente häufig der PRV‑V6, den Venturi je nach Modell deutlich überarbeitete und in mehreren Leistungsstufen anbot.
In den 1990er‑Jahren wechselten Eigentümer und Firmensitze mehrfach und das Unternehmen kämpfte mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Zeitweise tauchte Venturi sogar in der Formel 1 auf (als Namensgeber bei Larrousse 1992), ohne dort sportlich eine tragende Rolle zu spielen. Um 2000 endete die Automobilproduktion.
Der Venturi 400 Trophy entstand als rennstreckenorientierte Variante und war eng an eine Markenserie ("Trophy") gekoppelt. Der ausgestellte 400 Trophy GTR ist Baujahr 1995 und steht damit für die Phase, in der Venturi den Markennamen über Motorsport und Kleinserie aufladen wollte. Mit 2975 cm³ Hubraum und V6‑Motor ordnet sich das Auto in die PRV‑Technikfamilie (Peugeot-Renault-Volvo) ein. Die genannte Leistung von 580 PS verweist auf einen stark motorsportlich ausgelegten Aufbau.
Im Video sehen Sie den AMC Pacer aus dem Film Wayne's World.