Lotus Omega (1993) Artcurial Auktion

46.400 Euro für 272 km/h

Artcurial hat einen von 907 Lotus Omega versteigert. Der Viertürer mit Ferrari-Fahrleistungen galt 1990 als schnellste Limousine der Welt.

Lotus Omega (1993) Foto: Artcurial 20 Bilder

Lotus sorgte dafür, dass der Opel Omega A 1990 einen Ferrari Testarossa verblies: Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 272 km/h war der Viertürer die schnellste Limousine der Welt. In fünf Sekunden erreichte der Lotus Omega aus dem Stand 100 km/h. In 17,3 Sekunden reißt die Limousine die 200-km/-Marke und beschleunigt weiter – fast bis zum Ende der Tachoskala bei 300 km/h. Das waren vor 30 Jahren die Werte von Supersportwagen.

Exklusiver Preis: 125.000 Mark

Lotus Omega (1993) Foto: Artcurial
Sieht aus wie Omega, ist ein Omega, geht aber wie ein Ferrari.

Entsprechend exklusiv war der Preis: Für 125.000 Mark stand der Lotus Omega beim Opel-Händler im Schaufenster. Das ist in etwa so, als würde Opel heute einen Lotus Insignia zum Preis eines Porsche 911 anbieten – mit den Fahrleistungen eines AMG GT.

Wie kam der brave Omega A zu soviel Leistung? Nun, Opel baute das Auto in Rüsselsheim mit Dreiliter-Sechszylinder, schickte es nach England zu Lotus und die nahmen sich des Ganzen gründlich an: Erstmal kam der Motor raus. Rein kam ein Reihensechszylinder mit 3,6 Liter Hubraum, Vierventil-Zylinderkopf und zwei Turboladern von Garrett. Statt eines Verteilers kommen drei Zündspulen zum Einsatz. Zwei Ladeluftkühler reduzieren Temperatur und Volumen der verdichteten Luft. Der mit 0,7 bar aufgeladene Motor leistet bei gemütlichen 5.200/min 377 PS. Das Drehmoment – 557 Nm – liegt bei 4.200/min an.

Ein passendes Getriebe fanden die Entwickler bei ZF; die Sechsgangbox ist ansonsten in der Corvette C4 im Einsatz. Die Bremse stammt von AP, das Fahrwerk vom Omega 3000 – es ist lediglich etwas härter abgestimmt und an das Gewicht angepasst. Breitere Räder sorgen für eine feste Straßenlage und ein gewisses Breitenwachstum der Radläufe. Anders als sonst beim Omega A üblich sind die hinteren Radläufe nicht waagrecht, sondern rund.

Verkaufspreis: 46.400 Euro

Lotus Omega (1993) Foto: Artcurial
Lotus baute keine 1.000 Omega.

Nicht viele Menschen kauften einen derart verrückten Opel. Nur 907 Omega verließen die Lotus-Hallen. Im Vergleich zu den Rekord-Fahrleistungen und den Manufaktur-Stückzahlen ist ein Lotus Omega nicht einmal besonders teuer: Den Schätzwert hatte Artcurial auf 30.000 bis 50.000 Euro festgelegt. Versteigert wurde das Auto am 19. Juli 2021 in Monaco. Inklusive des bei Auktionen üblichen Aufgeldes lag der Verkaufspreis bei 46.400 Euro.

Das Auto mit der Nummer 644 wurde im Januar 1993 nach Frankreich geliefert und blieb bis heute dort. Drei Besitzer und 91.000 Kilometer sprechen eher für ein geruhsames Leben. Zuletzt wurden einige – durchaus kostspielige – Wartungsarbeiten erledigt: Der Klimakompressor wurde 2018 getauscht und die Klimaanlage auf R134a umgestellt. Im Jahr 2020 wurden die Ventile neu eingeschliffen und die Ventilschaftdichtungen erneuert. Die Injektoren wurden überholt und der Anlasser ersetzt. Im Juni 2021 wurden die beiden Turbolader erneuert.

Fazit

Überschaubare, Historie, geringe Stückzahl, exzellente Fahrleistungen: So ein Lotus Omega müsste doch viel teurer sein, denken Sie? Nun, die Wartungskosten sind nicht ohne – doch immerhin wurden einige Arbeiten jüngst erledigt. Bleibt noch die teure und schwierige Versorgung mit Lotus-spezifischen Ersatzteilen. Doch das ist bei Exoten nichts Ungewöhnliches. Hier handelt es sich außerdem um einen Exoten mit vier Sitzplätzen in der biederen Hülle eines Omega A. Eine reizvolle Kombination.