Mittelklasse-Limousinen im Vergleich (1987)
Wie dem Mazda 626 die Sensation gelingt
In auto motor und sport 22/1987 stand das sensationelle Ergebnis eines großen Mittelklasse-Vergleichstests fest: Audi 80, Ford Sierra, Mazda 626, Peugeot 405 und Renault 21 waren in fünf Kapiteln und zwei Folgen gegeneinander angetreten.
16.08.2026 Redaktion auto motor und sport
Foto: Wolfgang Drehsen
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Im Jahr 1987 war es eine kleine Sensation: Nicht der hochgelobte Audi 80, der brandneue Peugeot 405 oder ein anderer etablierter Europäer gewann den großen Mittelklasse-Vergleichstest, sondern der Mazda 626. Der japanische Herausforderer setzte sich in einem starken Feld durch, das neben den Genannten auch den Ford Sierra und den Renault 21 umfasste. Sein Sieg war kein Zufall, sondern das Ergebnis eines überlegenen Gesamtkonzepts, das sich Punkt für Punkt gegen die Spezialisten aus Europa durchsetzte. Wir fassen zusammen, wie der Mazda den Grundstein für seinen historischen Triumph legte.
Lesen Sie hier den Original-Test aus auto motor und sport 22/1987.
Der Grundstein für den Sieg wurde bereits im ersten Kapitel gelegt: der Karosserie. Während die beiden französischen Limousinen von Peugeot und Renault mit dem größten Raumangebot punkteten, präsentierte sich der Mazda als der durchdachteste Allrounder. Er bot reichlich Platz, eine gute Übersichtlichkeit und eine hohe Funktionalität ohne stilistische Experimente. Genau hier zeigte der hochfavorisierte Audi 80 seine größte Schwäche: Trotz guter Innenraummaße wirkte er durch stark eingezogene Seitenscheiben und ein wuchtiges Armaturenbrett subjektiv eng. Hinzu kam sein zerklüfteter und schlecht zugänglicher Kofferraum ohne Variationsmöglichkeiten – ein klarer Nachteil gegenüber dem Mazda, dessen Rückbank umklappbar war.
Ausstattung und Verarbeitung: Mazda vor Audi
Auch bei Ausstattung und Qualität setzte der Mazda Maßstäbe. Er kam serienmäßig mit Details wie elektrischen Fensterhebern, für die bei Audi und Ford hohe Aufpreise fällig waren. Die damalige Aufpreispolitik der deutschen Hersteller, die nützliche Extras in teure Pakete zwang, stand im starken Kontrast zum fairen Angebot des Mazda. In der Verarbeitungsqualität genoss der Audi zwar einen Vorsprung, doch der Mazda präsentierte sich ebenfalls solide und lag deutlich vor den beiden französischen Konkurrenten, die hier mit nachlässiger Fertigung enttäuschten. Am Ende des ersten Kapitels stand fest: Der Mazda 626 gewinnt die Karosseriewertung klar und geht überraschend in Führung.
Im zweiten Kapitel, dem Antrieb, schien das Blatt sich zu wenden. Auf dem Papier war der Audi 80 mit 113 PS der Stärkste, während der Mazda mit nur 90 PS das Schlusslicht bildete. Doch die Praxis offenbarte, dass der japanische Motor deutlich stärker war als angegeben und auf dem Prüfstand 98 PS erreichte. Damit konnte er im Fahrbetrieb gut mithalten. Sein Motor überzeugte mit guter Laufkultur und spontanem Ansprechverhalten. Der Audi war zwar in der Spitze schneller und im Verbrauch unschlagbar sparsam (9,1 l/100 km), sein Motor neigte bei hohen Drehzahlen aber zu lästigen Dröhngeräuschen. Der Ford Sierra fiel mit seinem zähen und durstigen Vierzylinder (11,7 l/100 km) stark ab.
Komfort und Fahrwerk: Mazdas einzige Schwäche
Im Kapitel Fahrkomfort zeigte der Mazda 626 seine einzige gravierende Schwäche. Besonders bei voller Ausnutzung der sehr hohen Zuladung von 661 Kilogramm ging sein Fahrwerk in die Knie und schlug auf Bodenwellen durch. Auch ohne Beladung schluckte es Querfugen nur mäßig. Hier glänzte der Ford Sierra, dessen komfortabel abgestimmte Federung kaum Wünsche offenließ und ihm den Kapitelsieg in dieser Disziplin sicherte. Die französischen Modelle, einst für ihren sänftenartigen Komfort berühmt, enttäuschten mit stuckernden Fahrwerken. Der Audi lag im guten Mittelfeld, konnte das Niveau des Ford aber nicht ganz erreichen.
Trotz der Schwächen im Fahrwerk holte der Mazda im Komfortkapitel wichtige Punkte bei der Bedienung. Sein Cockpit war vorbildlich ergonomisch gestaltet, alle Elemente saßen am richtigen Platz und ließen sich mühelos betätigen. Damit hob er sich positiv von der teigigen Lenkung des Audi und der unübersichtlichen Heizungsbedienung im Ford ab. Beim Geräuschkomfort lag der Ford Sierra vorne, während sich der Peugeot durch lautes Motordröhnen und Windgeräusche negativ hervortat. Der Mazda lag hier auf einem durchschnittlichen, aber akzeptablen Niveau.
Die Fahreigenschaften entlarvten den brandneuen Peugeot 405 als problematisches Auto: Sein zum Übersteuern neigendes Fahrwerk machte ihn bei Gaswegnehmen in der Kurve zur "Heckschleuder" – ein aus heutiger Sicht inakzeptables Sicherheitsrisiko. Im Gegensatz dazu erwies sich der Ford Sierra mit seinem Hinterradantrieb als traumhaft sicher und beherrschbar. Der Mazda zeigte sich im Normalbetrieb ebenfalls als gutmütig und überzeugte mit dem besten Geradeauslauf. Nur bei voller Beladung neigte auch er zu tückischen Lastwechselreaktionen, wenn auch nicht so extrem wie der Peugeot. Der Audi fuhr sich unaufgeregt und sicher, ließ aber die Agilität der Konkurrenz vermissen.
Wirtschaftlichkeit: Preis und Ausstattung geben den Ausschlag
Hier spielte der Mazda 626 seinen entscheidenden Trumpf aus: die Wirtschaftlichkeit. Mit einem Grundpreis von 23.790 Mark war er über 5.000 Mark billiger als der karg ausgestattete Audi 80. Dieser enorme Preisvorteil bei gleichzeitig reichhaltigerer Serienausstattung war der Schlüssel zum Sieg. Zwar punktete der Audi mit hoher Wertstabilität und langen Wartungsintervallen, doch diesen Vorsprung konnte er gegen den günstigen Anschaffungspreis des Mazda nicht wettmachen. Der Ford war zwar in der Versicherung günstig, sein hoher Verbrauch machte diesen Vorteil aber wieder zunichte.