Mercedes verkauft 300 SLR Uhlenhaut Coupé

Jetzt offiziell das teuerste Auto der Welt

Mercedes-Benz hat eines von zwei Uhlenhaut-Coupés der 50er-Jahre verkauft. Mit dem genannten Preis ist es nicht nur das wertvollste Auto, das die Schwaben abgeben, sondern der supersportliche Achtzylinder ist das teuerste Auto der Welt.

Mercedes-Benz 300 SLR Uhlenhaut Coupé (1954) Motor Klassik Foto: Hans-Dieter Seufert 39 Bilder

Gerüchte gab es schon länger, nun hat es der Autohersteller bestätigt: Mercedes-Benz hat am 5. Mai in seinem Museum eines von zwei 300 SLR Uhlenhaut Coupés verkauft. Der Preis liegt bei 135 Millionen Euro. Damit ist der Achtzylinder-Flügeltürer das teuerste jemals verkaufte Auto. Mercedes-Benz hat das Uhlenhaut Coupé während einer zusammen mit RM Sotheby's durchgeführten Auktion unter ausgewählten Kaufinteressenten (angeblich umfasste der Personenkreis zehn Interessenten) an einen privaten Sammler versteigert. Es stammt aus der nicht öffentlichen Sammlung des Herstellers, die etwa 1.100 Fahrzeuge aus allen Epochen umfasst.

"Den höchsten Preis zu erzielen, der jemals für ein Fahrzeug gezahlt wurde, ist eine Ehre und ein Auftrag zugleich: Ein Mercedes-Benz ist mit Abstand das wertvollste Auto der Welt", sagt Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Mercedes‑Benz Group AG. Am selben Abend hatte Mercedes seine Strategie für die nächsten Jahre verkündet: Die Marke setzt künftig verstärkt auf Luxus und möchte mehr teure Autos verkaufen.

135 Mio. Euro für Ausbildungs-Stiftung

Källenius begründet den Verkauf so: "Mit dem Erlös aus der Auktion wird ein weltweites Stipendienprogramm finanziert. Mit dem 'Mercedes-Benz Fund' möchten wir eine neue Generation ermutigen, in die innovativen Fußstapfen von Rudolf Uhlenhaut zu treten und großartige neue Technologien zu entwickeln, insbesondere zu Dekarbonisierung und Ressourcenschonung." Mercedes sieht den Erlös als Startkapital für Universitäts- und Schulstipendien, die für Umweltprojete und umweltwissenschaftliche Forschung eingesetzt werden solle. Stipendiaten sollen finanziell, mit Kontakten und Mentoring unterstützt werden. In den Fonds soll zudem weiteres Kapital fließen. Im Lauf des Jahres soll außerdem ein Partner bekannt gegeben werden. Den Fonds verantwortet Renata Jungo Brüngger, bei Mercedes im Vorstand für Integrität und Recht zusändig.

Mercedes-Benz 300 SLR Uhlenhaut Coupé Ola Källenius Renata Jungo Brüngger "The Economics of Desire" Foto: Mercedes
Mercedes-Vorstandschef Ola Källenius und Renata Jungo Brüngger, im Vorstand für Integrität und Recht verantwortlich, vor dem Uhlenhaut Coupé.

Die beiden 300 SLR Coupés hatte Mercedes-Benz für die Marken-WM in der Saison 1956 gebaut, aber nie eingesetzt. Denn zum einen wurde das Langstreckenrennen Carerra Panamericana in diesem Jahr abgesagt und zum anderen hatte Mercedes im Oktober 1955 den Rückzug aus Sportwagenrennen beschlossen. Entwicklungschef Rudolf Uhlenhaut nutzte einen davon stattdessen als Dienstwagen. Eines der Coupés steht im Mercedes-Benz Museum im Mythosraum 4. Auch das Auto, das nun verkauft wurde, soll sichtbar bleiben: "Der private Käufer hat zugestimmt, das 300 SLR Uhlenhaut Coupé auch nach dem Verkauf zu besonderen Anlässen zugänglich zu machen. Das zweite originale 300 SLR Coupé bleibt im Firmenbesitz und wird weiterhin im Mercedes-Benz Museum in Stuttgart ausgestellt", sagt Marcus Breitschwerdt, Leiter Mercedes-Benz Heritage.

Ferrari bisher an der Spitze

Das bisher teuerste bei einer Auktion verkaufte Auto ist ein Ferrari 250 GTO aus dem Besitz des ehemaligen Microsoft-Chefentwicklers Gregory Whitten. RM Sotheby’s hatte den Ferrari von 1962 Ende August 2018 während des Concours d’Elegance in Monterey versteigert. Der Sportwagen mit Scaglietti-Karosserie brachte seinerzeit 48,4 Millionen Dollar (aktuell umgerechnet etwa 46,5 Millionen Euro) ein.

Der höchste Preis, der bisher für einen Mercedes bezahlt wurde, waren 29,6 Millionen Euro für einen W196 R, den unter anderem Juan Manuel Fangio in der Formel-1-Saison 1954 fuhr.

300 PS und 290 km/h Topspeed

Mercedes-Benz hatte für die Rennsaison 1956 zwei 300 SLR Coupé gebaut, von denen eins der Leiter der Versuchsabteilung, Rudolf Uhlenhaut, fuhr. Daher stammt auch der Name des Modells. Der Rennsportwagen hat einen Reihenachtzylinder erreicht damit eine Höchstgeschwindigkeit von 290 km/h. Eines der beiden Autos hat eine rote Innenausstattung, das andere eine blaue.

Trotz der Ähnlichkeit zum 300 SL – Flügeltüren, Gitterrohrrahmen, Name – ist der 300 SLR im Grunde ein zweisitziger Formel 1 mit Coupé-Karosserie und Straßenzulassung. Abgeleitet ist das Coupé von jenem 300 SLR, mit dem Stirling Moss und Denis Jenkinson bei der Mille Miglia 1955 einen Streckenrekord aufstellen, indem sie in zehn Stunden, sieben Minuten und 48 Sekunden und mit einem Schnitt von 157,6 km/h 1.606 Kilometer von Brescia nach Rom und wieder zurück donnern. "Kein anderer Motor klingt so böse wie der des 300 SLR", meinte Stirling Moss später.

Der Motor des Coupés ist ein Reihenachtzylinder mit drei Litern Hubraum und desmodromischer Ventilsteuerung, das heißt, die Ventile haben keine Federn zum Schließen, sondern werden von der Mechanik zwangsgeschlossen. Ein Prinzip, das auch der Motorradhersteller Ducati für seine legendären V2-Motoren nutzt. Der SLR-Achtzylinder erreicht eine Literleistung von 100 PS – macht 300 insgesamt. Bei 7.450/min. Das geht, weil der Motor in der Mitte geteilt ist und die Nockenwellen damit kürzer sind und sich bei hohen Drehzahlen nicht verwinden. Die Kraftabnahme erfolgt in der Mitte. Bohrung und Hub sind mit je 78 Millimeter identisch. Ein Fünfgang-Schaltgetriebe mit kunstvollen mechanischen Sperren für den ersten und den Rückwärtsgang überträgt die Kraft an die Hinterachse. Die Abgase gelangen über zwei Auspuffstummel hinter dem rechten Vorderrad ins Freie. Für Tests wurden teilweise außenliegende Schalldämpfer montiert. Uhlenhaut fuhr mit dem 300 SLR regelmäßig vom Werk in Untertürkheim nach Hause ins zwölf Kilometer entfernte Riedenberg – und einmal sogar zum Grand Prix nach Schweden.

Rudolf Uhlenhaut: schneller Ingenieur

Mercedes 300 SLR (1955) Rudolf Uhlenhaut Foto: Mercedes-Benz
Mercedes-Entwickler Rudolf Uhlenhaut (1906-1989) nutzte das 300 SLR Coupé als Dienstwagen.

Der 1906 als Sohn einer Engländerin und eines Deutschen in London geborene Rudolf Uhlenhaut studiert in München Maschinenbau und begann 1931 bei Daimler-Benz in der Versuchsabteilung, die damals Fritz Nallinger leitete. Ab 1936 arbeitete Uhlenhaut in der Rennwagenabteilung. Der Ingenieur fuhr selbst Tausende Versuchskilometer und das nicht unbedingt langsam: Während Versuchsfahrten im Jahr 1955 umrundete er den Nürburgring im selben Auto drei Sekunden schneller als Juan Manuel Fangio. Er entwickelte den "Silberpfeil" W 25 erfolgreich weiter: Die Grand-Prix-Saison 1937 beendet Rudolf Carraciola mit dem Mercedes-Rennwagen W 125 als Europameister. Auch die beiden folgenden Jahre war Mercedes im Motorsport erfolgreich. Als der Vorstand 1951 beschloss, wieder in den Motorsport einzusteigen, entwickelte Uhlenhaut aus einem leichten Rohrrahmen und dem Motor des 300 den legendären 300 SL Flügeltürer. Mit dem gewinnt Mercedes 1952 vier von fünf Rennen. Ab 1955 ist Uhlenhaut als Entwicklungschef für Serienautos verantwortlich. In seiner Zeit entstehen etwa die "Pagode", der Strich-Acht und die S-Klasse-Baureihe W116. Diese erste S-Klasse erschien 1972. Im selben Jahr geht der Ingenieur nach 41 Jahren bei Mercedes in den Ruhestand. Uhlenhaut stirbt am 8. Mai 1989 im Alter von 82 Jahren.