Mercedes 600 SEC Koenig Special
Darum ist dieser Neuaufbau ein Original
Ein Mercedes 600 SEC wird zum seltenen Koenig-Special umgebaut – allerdings nicht 1990, sondern heute. Warum er trotzdem als Original und nicht als Nachbau gilt, hat einen offiziellen Grund.
11.09.2026 Carina Mollner
Foto: Michel Wittelsbach / Jessen Classic Cars
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Koenig-Specials – wer in den 80er- und 90er-Jahren Benzin im Blut hatte, kennt diesen Namen. Er steht für die wohl wildesten und exklusivsten Umbauten auf deutschen Straßen. Breit, laut und polarisierend verwandelte die Firma von Willy König hauptsächlich Modelle von Ferrari und Mercedes in extravagante Unikate.
Ein Koenig-Special aus dieser Zeit ist heute ein extrem seltenes Sammlerstück. Das gilt besonders für das S-Klasse-Coupé der Baureihe C140: Nur 5 bis 15 Fahrzeuge erhielten damals den Segen aus München. Diese wenigen Autos sind Zeitdokumente. Doch was passiert, wenn ein solcher Umbau erst heute entsteht, und zwar mit den Original-Teilen von Koenig-Specials? In Bayern wird aktuell ein Mercedes 600 SEC neu aufgebaut.
Ein 1990er-Jahre-Traum in Imperialrot
Als Basis für die Transformation dient ein Mercedes-Benz 600 SEC aus dem Jahr 1993. Den Umbau verantwortet Georg Jessen, der mit Jessen Classic Cars auf hochwertige Klassiker spezialisiert ist und nach rund 30 Jahren bei Mercedes-Benz und AMG über die nötige Expertise verfügt. Für einen prominenten, aber anonym bleibenden Kunden aus der NBA-Szene (National Basketball Association) erschafft er nun einen neuen Koenig-Breitbau.
Ein auf GFK-Teile spezialisierter Karosseriebauer passt die Kotflügel des Basisfahrzeugs an und setzt die Verbreiterungen eines originalen Koenig-Bausatzes aus den 1990er-Jahren ein. Anschließend erhält die Karosserie eine Lackierung in Mercedes-Benz Imperialrot. Technisch bleibt der V12-Motor mit seinen 394 PS unangetastet, da Koenig-Specials auch damals keine Leistungssteigerung anbot. H&R-Fahrwerksfedern ersetzen die Originalteile, ein Sport-Endtopf sorgt für den passenden Klang und 17-Zoll-Räder füllen die massiven Radhäuser.
Im Innenraum findet eine ebenso umfassende Verwandlung statt. Die komplette Ausstattung wechselt von Grau auf Schwarz. Die Ledersitze fertigt die Firma Bader Leder neu an – jenes Unternehmen, das schon vor über 30 Jahren das Leder für die Serienfahrzeuge lieferte. Das Koenig-Specials-Logo prägt die Kopfstützen.
Original oder Neuinterpretation? Die Frage der Authentizität
Der Markt für klassische Tuning-Fahrzeuge ist unübersichtlich. Seit den 1980er-Jahren kursieren illegale Kopien von Koenig-Teilen und sogar komplette, gefälschte Fahrzeuge. Die Marke Koenig-Specials existiert zwar noch heute und vertreibt originale Komponenten, doch wie definiert sich ein Original? Ist ein Umbau, der 30 Jahre nach der Blütezeit der Marke entsteht, ein Original oder nur ein Nachbau?
Koenig-Specials stellt auf Anfrage von auto motor und sport klar: "Wenn von uns stammende, originale Koenig-Teile für den Umbau verwendet werden, handelt es sich natürlich um ein Original."
Entscheidend ist also damals wie heute der Einsatz nachweislicher Originalteile mit entsprechendem Zertifikat. Das Projekt von Jessen Classic Cars ist demnach kein Nachbau, sondern die Fortführung einer alten Tradition. Die Unterscheidung liegt allein im Detail, wie ein Sprecher von Koenig präzisiert: "Von einem Nachbau kann man bei einer gegenwärtig vorgenommenen Umrüstung eines Fahrzeugs mit zertifizierten Koenig-Teilen also nicht sprechen. Das Fahrzeug als historischen Koenig-Umbau auszugeben, wäre hingegen unzulässig." Nach der Fertigstellung soll das gesamte Fahrzeug zusätzlich ein offizielles und anerkanntes Koenig-Echtheitszertifikat erhalten.
Was macht das mit dem Wert?
Diese offizielle Anerkennung beeinflusst den Wert maßgeblich. Zum Vergleich: Ein restaurierungsbedürftiges, historisches Original wurde 2023 für 165.000 Euro versteigert. Experten schätzen den Wert des nun entstehenden Fahrzeugs auf 200.000 bis 300.000 Euro. Dem gegenüber steht eine erhebliche Investition. Der Umbau selbst kostet, je nach Umfang, zwischen 120.000 und 200.000 Euro, zuzüglich des Preises für das Basisfahrzeug. Einen Haken gibt es jedoch: Eine Straßenzulassung für den deutschen Verkehr besitzt das fertige Auto nicht.