Mercedes MB 100d AMG

Der langsamste AMG aller Zeiten?

Der Marke AMG ist für Hochleistungslimousinen, V8-Motoren und Erfolge im Motorsport bekannt. Im Portfolio des Mercedes-Veredlers findet sich ein Fahrzeug, das aus diesem Rahmen fällt – ein Transporter.

MB 100 AMG Transporter Foto: Mercedes-Benz Classic 6 Bilder

Der Mercedes-Benz MB 100d war vor allem eines: ein robustes Arbeitstier. Zwischen 1981 und 1995 im Programm, bevor der Vito seinen Platz einnahm, basierte seine Technik im Kern noch auf Entwicklungen der Marke DKW. Er war also schon bei seiner Premiere kein Kind der Moderne. Sein schwammiges Fahrverhalten, das eher an ein Schiff erinnerte, und die indirekte Lenkung verpassten ihm bei Kennern schnell den Spitznamen "Kutter". Unter der Haube werkelte ein 2,4-Liter-Diesel, der mit seinen 72 PS für Vortrieb sorgte. Bei rund 125 km/h war Schluss – womit klar war: Dieses Fahrzeug gehörte auf die Baustelle, nicht auf die Überholspur.

Vom Nutzfahrzeug zum Luxus-Shuttle

1989 knöpfte sich AMG den pragmatischen Transporter vor. Aus dem Arbeitstier sollte ein exklusiver Express-Shuttle werden. Dafür krempelten die Ingenieure die Optik komplett um. Sie verpassten dem MB 100d ein aerodynamisch optimiertes Bodykit mit neuem Frontspoiler, Seitenschwellern, breiteren Kotflügeln und einer angepassten Heckschürze. Ein markanter Kühlergrill mit Doppelscheinwerfern verpasste ihm ein völlig neues Gesicht, 15 Zoll große AMG-Leichtmetallfelgen rundeten den Auftritt ab.

Im Innenraum ging die Verwandlung weiter. Statt der spartanischen Kabine bot AMG den Kunden eine hochwertige Ausstattung an, die den Transporter in ein mobiles Büro oder ein VIP-Shuttle verwandelte. Man baute Einzelsitze mit edlen Bezügen aus Velours oder Leder, praktische Klapptische und eine leistungsfähige Stereoanlage ein. Ein besonderes Detail signalisierte die neuen Ambitionen: Die neue Instrumententafel erhielt einen Tacho, der bis 200 km/h reichte.

Unter der Haube spendierte AMG dem behäbigen 2,4-Liter-Diesel einen Turbolader. Damit kitzelten die Techniker 95 statt der serienmäßigen 72 PS aus dem Aggregat heraus. Wie schnell der AMG-Transporter damit wirklich war, verriet das Unternehmen allerdings nie – offizielle Daten zu Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit gibt es nicht.

Ein kostspieliges Projekt mit wenigen Käufern

Doch der ganze Luxus hatte einen gewaltigen Haken: den Preis. Schon der serienmäßige, neunsitzige MB 100d kostete ab Werk rund 37.620 DM. Für den kompletten Umbau inklusive der Leistungssteigerung schlug AMG dann noch einmal fast 60.000 DM drauf. Am Ende stand also eine Summe von knapp 95.000 DM auf dem Preisschild – für damalige Verhältnisse eine enorme Ansage. Zum Vergleich: Für so viel Geld parkte man auch hochmotorisierte Limousinen oder echte Sportwagen anderer Marken in seiner Garage.

Kein Wunder also, dass sich die Käufer nicht gerade um den AMG-Transporter rissen. Von den 50 ursprünglich geplanten Exemplaren baute AMG deshalb nur ganze fünf Stück. Das macht den MB 100d AMG heute zu einer der seltensten Kreationen, die jemals die Hallen des Unternehmens verlassen haben.