Oldsmobile Hurst/Olds
Dieses Automatikgetriebe braucht drei Schalthebel
Die Auktion eines Oldsmobile Hurst/Olds rückt eine in Deutschland wenig bekannte Technik der 80er-Jahre in den Fokus. Das Muscle-Car besitzt drei Schalthebel, steuert damit aber ein Automatikgetriebe.
08.07.2026 Carina Mollner
Foto: Mecum Auctions, Inc.
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Anfang der 80er-Jahre schien die große Party der Muscle-Cars endgültig vorbei. Die Leistungsexplosion der späten 60er war nur noch eine ferne Erinnerung. Doch während viele Hersteller auf kleine Hubräume und Turbotechnik setzten, stemmte sich Oldsmobile noch einmal gegen den Trend. Gemeinsam mit dem Performance-Spezialisten Hurst schufen sie den Hurst/Olds – ein Coupé, das nicht nur mit seinem V8 ein Zeichen setzte, sondern vor allem mit einer ungewöhnlichen Schaltung. Ein gut erhaltenes Exemplar kam am 10. Mai bei Mecum Auctions unter den Hammer und erinnert an dieses kühne technische Experiment.
Die technische Grundlage lieferte der Oldsmobile Cutlass, doch vom biederen Charakter blieb nach der Kur bei Hurst wenig übrig. Ein Fünfliter-V8 mit 183 PS und 332 Nm Drehmoment sorgt für den standesgemäßen Vortrieb. Damit beschleunigte das Coupé in 8,5 Sekunden auf knapp 100 km/h. Die wahre Faszination des Hurst/Olds steckt jedoch nicht unter der Haube, sondern ragt aus der Mittelkonsole.
Die Lightning Rods-Automatik im Detail
Drei verchromte Hebel, aber kein Kupplungspedal im Fußraum, das ist die Hurst Lightning Rods-Schaltung. Die Idee dahinter war, die Schnelligkeit und das Feeling eines manuellen Schaltvorgangs aus dem Drag Racing mit dem Komfort einer Automatik zu verbinden.
Die Bedienung folgt einer klaren Logik. Der linke Hebel übernimmt die klassische Rolle des Automatik-Wählhebels und schaltet zwischen Parken, Rückwärts, Neutral und Drive. Man kann den Hurst/Olds also wie jedes andere Automatik-Fahrzeug bewegen. Erst wenn der Fahrer selbst die Kontrolle übernehmen will, kommen die beiden rechten Hebel ins Spiel. Im manuellen Modus startet man im ersten Gang. Ein kurzer Zug am mittleren Hebel legt den zweiten Gang ein. Der rechte Hebel schaltet anschließend in den dritten Gang. Man könnte das Prinzip mit modernen Schaltwippen in einem Automatik-Fahrzeug vergleichen.
Im Drag Racing setzen viele Profis auf sogenannte Lenco-Getriebe, wobei für jeden einzelnen Gang ein separater Hebel gezogen wird. Diese sind im Profi-Drag-Racing, etwa in Pro-Mod- oder Top-Alcohol-Klassen, seit Jahrzehnten der Standard für höchste Belastungen. Die technische Besonderheit liegt in ihrem modularen Aufbau. Das Getriebe besteht nicht aus einem Gehäuse mit verschiedenen Zahnradpaaren, sondern aus mehreren, hintereinander gekoppelten, identischen Getriebeeinheiten.
Jede Einheit ist ein simples Zwei-Gang-Planetengetriebe, das über einen eigenen Hebel bedient wird. Im Ruhezustand (Hebel hinten) befindet sich die Einheit in der Untersetzung. Zieht der Fahrer den Hebel nach vorne, schaltet diese spezifische Einheit in den direkten Gang (1:1). Bei einem Lenco-Getriebe mit vier Gängen sind beispielsweise drei solcher Module in Reihe geschaltet. Im ersten Gang befinden sich alle drei Module in der Untersetzung. Um in den zweiten Gang zu schalten, zieht der Fahrer den ersten Hebel nach vorne, der Rest bleibt unberührt. Für den dritten Gang folgt der zweite Hebel und so weiter.
Der entscheidende Vorteil: Die Kupplung wird nur zum Anfahren im ersten Gang benötigt. Alle weiteren Schaltvorgänge erfolgen bei Vollgas, indem der Fahrer einfach die Hebel durchreißt. Das System ist extrem robust, da die Last auf mehrere Baugruppen verteilt wird, und es macht einen Schaltfehler praktisch unmöglich.
Sondermodell zum Jubiläum
Bei dem versteigerten Fahrzeug handelte es sich um ein Modell der "15th Anniversary Edition". Oldsmobile legte die Serie zum 15. Jubiläum der Kooperation mit Hurst auf und limitierte die Stückzahl auf 3.001 Exemplare. Zur festen Ausstattung gehörten eine Zweifarblackierung in Schwarz und Silber, ein Heckspoiler, eine Lufthutze auf der Motorhaube sowie verchromte 15-Zoll-Räder. Im Innenraum war das Modell mit einer Velours-Ausstattung in Rot ausgestattet. Das bei Mecum Auctions versteigerte Exemplar erzielte einen Preis von 23.100 US-Dollar. Umgerechnet entspricht das aktuell 20.210 Euro.