Oldtimer einwintern
Warum das Motoröl vor dem Winter gewechselt wird
Wenn der Klassiker nach der letzten Ausfahrt im Spätherbst blitzblank gewaschen und im Innenraum gegen Feuchtigkeit geschützt ist, folgt die wichtigste Kür für jeden Oldtimer-Besitzer: der Check der Betriebsflüssigkeiten. Viele Halter verschieben den Service und den Ölwechsel routinemäßig auf das Frühjahr – doch aus technischer Sicht ist das ein fataler Irrtum.
07.11.2026 Andreas Of-Allinger
Foto: Archiv
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Erfahren Sie hier, warum gebrauchtes Öl dem Motor während der Standzeit zusetzt, welche Flüssigkeiten zwingend geprüft werden müssen und wie Sie Ihren Klassiker perfekt auf die Monate in der Garage vorbereiten. Diesen 3-Punkte-Technik-Check sollte jeder beachten, der einen Oldtimer oder Youngtimer für eine längere Standzeit vorbereitet.
1. Der Klassiker-Irrtum: Warum das Motoröl vor dem Winterschlaf gewechselt wird
Die Frage spaltet seit Jahrzehnten manche Schrauber-Stammtische: Soll das frische Öl vor oder nach der Standzeit eingefüllt werden? Die Antwort der Motorenexperten ist eindeutig: Der Ölwechsel erfolgt immer vor dem Einmotten im Herbst.
Die technischen Hintergründe:
- Aggressive Verbrennungsrückstände: Im Laufe einer Saison sammelt sich im Motoröl ein toxischer Cocktail aus Ruß, ungenutzten Kraftstoffresten, Wasser und sauren Verbrennungsprodukten an.
- Korrosionsgefahr von innen: Steht der Motor über Monate mit diesem alten "Säure-Öl" in der Garage, fressen sich die Säuren schleichend an Lagerschalen, Zylinderwänden und Nockenwellen fest. Das führt zu unbemerktem Lochfraß und Korrosion.
- Das richtige Vorgehen: Fahren Sie den Oldtimer vor dem Abstellen noch einmal richtig warm (ca. 20 bis 30 Kilometer), damit sich Verunreinigungen im Öl lösen und aufschwemmen. Dann wird das alte Öl mitsamt dem Ölfilter abgelassen. Das frische Öl schützt die Metalloberflächen während der gesamten Standzeit optimal vor Sauerstoff und Oxidation.
2. Der große Flüssigkeiten-Check: Kühlwasser, Bremsen und Kraftstoff
Neben dem Motoröl verlangen weitere Betriebsmedien vor der Winterpause nach Aufmerksamkeit.
Kühlflüssigkeit: Frostschutz messen statt hoffen
Ein geplatzter Motorblock durch gefrorenes Kühlwasser gehört zu den teuersten Alpträumen eines Oldtimer-Besitzers.
- Prüfung: Nutzen Sie ein einfaches Spindel-Prüfgerät oder Refraktometer, um den Frostschutzgehalt im Kühlsystem zu bestimmen.
- Zielwert: Der Schutz sollte mindestens bis -25 °C bis -30 °C reichen.
- Korrosionsschutz: Modernes Kühlmittel schützt nicht nur vor Frost, sondern enthält auch Additive gegen Innenkorrosion im Motorblock und Kühler. Ist die Flüssigkeit überaltert oder unklar, lohnt sich ein kompletter Wechsel.
Bremsflüssigkeit: Die unterschätzte Feuchtigkeits-Falle
Bremsflüssigkeit (auf Glykolbasis) ist hygroskopisch – das bedeutet, sie zieht mit der Zeit Wasser aus der Luft an.
- Das Problem: Steht das Fahrzeug monatelang, sinkt der Siedepunkt der Bremsflüssigkeit durch den Wasseranteil drastisch. Zudem fördert stehendes, wasserhaltiges Medium die Korrosion in den teuren Radbremszylindern, Bremsleitungen und Hauptbremszylindern.
- Empfehlung: Liegt der letzte Wechsel länger als zwei Jahre zurück oder zeigt der Tester einen zu hohen Wassergehalt (> 1,5 %), sollte die Bremsflüssigkeit gewechselt werden.
Kraftstoff: Volltanken oder leerfahren?
Bei dieser Frage kommt es auf den Tank Ihres Klassikers an:
- Stahltanks: Unbedingt vollktanken, bevor der Wagen abgestellt wird. Ein voller Tank verhindert, dass die Luftfeuchtigkeit im leeren Tankinnenraum kondensiert, sich Wassertropfen bilden und der Tank von innen durchrostet.
- Zusatz-Tipp: Bei langen Standzeiten von mehr als vier bis sechs Monaten empfiehlt sich die Zugabe eines Benzinstabilisators (Fuel Stabilizer). Er verhindert das Verharzen des Kraftstoffs im Vergaser oder den Einspritzdüsen.
3. Mechanische Begleitmaßnahmen: Reifendruck und Standplatten
Zu einem ganzheitlichen Technik-Check gehört auch der Kontakt zur Straße:
- Erhöhung des Reifendrucks: Da Oldtimer über Monate auf derselben Stelle stehen, droht ein "Standplatten" (Verformung der Karkasse). Erhöhen Sie den Luftdruck vor dem Abstellen um 0,5 bis 1,0 Bar über den normalen Wert. Alternativ helfen sogenannte Reifenschuhe (Reifenwiegen), die den Druck gleichmäßig verteilen.