Oldtimermarkt 2025

Platzt jetzt die Preisblase für Oldtimer?

Der Oldtimermarkt 2025 ist zweigeteilt: Youngtimer und Supercars erzielen Rekordpreise, während Klassiker der 50er- und 60er-Jahre kaum Käufer finden. Leistung und Komfort sind gefragt.

Mercedes-Benz W124 (1984 bis 1995) Limousine 400E Foto: Mercedes-Benz 6 Bilder

Oldtimerhändler tun sich derzeit schwer: "Seit gut einem Jahr ist es in jedem Segment sehr ruhig", berichtet Frank Wilke. Der Chef des Marktbeobachters Classic-Analytics findet, das liege nicht am Desinteresse des Publikums. Denn die Besucherzahlen von Messen und Veranstaltungen sind mindestens so hoch wie in den Vorjahren. Einige Messen meldeten 2025 sogar Rekordzahlen. Doch die Welt- und Wirtschaftslage drückt die Kauflaune: "Die Leute sind einfach nicht in der Stimmung, ihr Geld für ein altes Auto auszugeben", berichtet Wilke.

Oldtimer 3% billiger als vor einem Jahr

Reinhard Sachse, Chef von Steenbuck Automobiles, bestätigt den Eindruck: "Wir haben in Deutschland ein Stimmungsproblem. Es liegt nicht am Geld." Die Auslandsnachfrage sei hingegen "sehr positiv". Seit Corona sei der Markt insgesamt zurückgegangen. "Im Moment wird massiv mehr angeboten, als nachgefragt wird", sagt Sachse. Das drückt die Preise. Auf drei Prozent taxiert Wilke den Rückgang für 2025 über alle Sparten hinweg.

Doch es gibt auch positive Nachrichten: Auktionen laufen gut. RM Sotheby’s hat im Oktober 2025 bei einer Versteigerung in München fast 90 Prozent der angebotenen Autos verkauft, dabei rund 25 Millionen Euro umgesetzt und zum vierten Mal das Vorurteil widerlegt, dass Auktionen in Deutschland nicht funktionieren würden. Teils rekordverdächtig hohe Verkaufserlöse für eine Sammlung von BMW-M-Modellen zeigen, wofür Käufer aktuell sehr viel Geld ausgeben: für junge, leistungsstarke Autos.

Youngtimer laufen gut

Der Ferrari F40 ist nicht das einzige Beispiel dafür, auf welch starke Nachfrage solventer Sammler Supercars der 80er treffen. Der 288 GTO legte seit 2020 siebenstellig zu und ist bei Classic-Analytics mit 4,37 Millionen Euro notiert. Weil der GTO seltener ist (272 zu 1315 Exemplare), kostet er mehr als ein F40. Dessen Konkurrent, der Porsche 959, erfuhr zwar im vergangenen Jahr einen Preisdämpfer, ist aber immer noch 1,6 Millionen Euro wert und damit 79,5 Prozent teurer als 2020.

Gefragt: Leistung und Komfort

In bürgerlichen Preisregionen bewegen sich die Preise ebenfalls nach oben. Der Volvo 850 T5 Kombi ist ein Beispiel dafür: Liebhaber bezahlen für den Kombi mit Turbo-Fünfzylinder inzwischen deutlich fünfstellige Preise. Auch die klassischen Volvo-Baureihen 240 und 740 wurden teurer. Steigende Werte für Saab 900 Turbo bestätigen die These, dass Käufer langstreckentaugliche Autos mit Leistung suchen. Während originelle Kleinwagen der 90er-Jahre teurer wurden, finden BMW 600 oder Glas 1304 nur schwer Käufer. Das liegt am Generationenwechsel in der Oldtimerszene.

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Schwer verkäuflich: Oldtimer der 50er und 60er-Jahre

Marcus Görig, Sales Director Germany bei RM Sotheby’s, berichtet von Sammlern, die in den 70er- und 80er-Jahren angefangen haben und das Hobby nun langsam aufgeben. Was vor 40 oder 50 Jahren angesagt war, ist heute nicht gesucht: "50er- und 60er-Jahre-Modelle tun sich schwer", erklärt Görig. Zwei Ausnahmen gibt es: Mercedes Flügeltürer und Lamborghini Miura sind bei solventen Sammlern immer noch gefragt.

"Kleine Engländer, die früher jeder mochte, gehen gar nicht mehr", berichtet Sachse. Doch nicht nur diese stoßen auf geringes Interesse. Marktbeobachter Wilke nennt "große Healeys und Ponton-Mercedes" als weitere Beispiele für Modelle, die sich am Markt schwertun. Einst teure Oldtimer wie ein Mercedes 300 aus den 50er-Jahren lassen sich, wenn überhaupt, nur mit Abschlägen verkaufen.

Generationenwechsel: Mercedes W124 statt W116

Ein interessanter Generationenwechsel lässt sich bei Mercedes beobachten: Während die Werte für die sachlich-solide 124er-Baureihe aus der Sacco-Breitschwerdt-Ära seit Jahren steigen, sinkt die erste S-Klasse-Generation offenbar in der Gunst der Käufer. Was zu der kuriosen Situation führt, dass eine S-Klasse mit Achtzylinder momentan nur wenig teurer ist als ein Sechszylinder-Coupé der oberen Mittelklasse. Wer also schon immer einen W 116 haben wollte, kann mit Glück und Geschick günstig an seinen Traumwagen kommen. Sinkende Kurse haben aus Käufersicht eben auch ihre Vorteile.