Porsche 911 Carrera 3.0 RSR IROC von Pablo Escobar

Keiner will den Porsche des Drogenbarons

Dieser seltene Porsche 911 RSR IROC gehörte einst dem Drogenboss Pablo Escobar – jetzt stand das Auto zum zweiten Mal in diesem Jahr zum Verkauf, aber die Auktion endete, ohne dass der Wagen eine Käufer gefunden hätte.

Porsche 911 RSR IROC von Pablo Escobar Foto: Collecting Cars' 20 Bilder

Im März 2021 verkaufte ein Händler in Florida den Porsche 911 Carrera 3.0 RSR IROC, der einst dem Drogenbaron Pablo Escobar gehörte. Der Händler wollte für das seltene Auto 2,2 Millionen Dollar (damals umgerechnet zirka 1,84 Millionen Euro). Ob er diesen Preis auch erzielt hat, ist nicht bekannt. Allerding tauchte der IROC-Porsche im Oktober wieder auf: Er ist auf der Auktionsplattform Collecting Cars' im Angebot. Das Gebot stand am 7. Oktober bei 851.500 Dollar (aktuell umgerechnet zirka 736.603 Euro) – 1,3 Millionen Dollar unter des Preisforderung vom März. Inzwischen ist die Auktion beendet, das Auto aber unverkauft. Einen Button für Interessenten gibt es aber noch. Das Auto steht immer noch in Florida. Der Verkäufer nennt sich AMG_USA – er hat das Auto anscheinend kaum bewegt. Standen im März noch 223 Meilen auf dem Tacho, sind es jetzt 225 Meilen (362 Kilometer). Ob AMG_USA das Auto nach nur drei Kilometern Fahrt in der Hoffnung auf einen Gewinn verkauft, oder ob ihm die Geschichte des Autos doch nicht ganz geheuer ist, ist unbekannt.

Seltenes Auto mit bewegter Geschichte

Drogenboss Pablo Escobar war über Jahre Chef des sogenannten Medellín-Kartells (benannt nach der zweitgrößten kolumbianischen Stadt Medellín). Dieses war, gemeinsam mit dem ebenfalls kolumbianischen Cali-Kartell (drittgrößte Stadt des Landes) in den 1980er- und 1990er-Jahren der weltweit größte Exporteur von Kokain. Escobar ließ hunderte von Menschen ermorden – bis am 2. Dezember 1993 eine Spezialeinheit sein Leben beendete. Escobar liebte nicht nur den Drogenhandel, sondern auch Nilpferde, die er in einem privaten Zoo hielt und die sich heute als invasive Art in Kolumbien ausbreiten – und er mochte auch Autos. Eines davon, ein Porsche 911 Carrera 3.0 RSR IROC.

Porsche 911 RSR IROC von Pablo Escobar Foto: Atlantis Motor Group
Der Innenraum des Rennautos ist in einem tadellosen Zustand.

Zwölf Fahrer – ein Auto

Im Oktober 1973 lieferte Porsche 15 technisch identische 911 Carrera 3.0 RSR IROC an den amerikanischen Geschäftsmann und Rennstallbetreiber Roger Penske. Zwölf bekannten Rennfahrer sollten mit diesen Autos im neu gegründeten International Race of Champions (IROC) gegeneinander antreten – drei Autos waren als Ersatzfahrzeuge gedacht. Um dem Publikum vor den sich immer stärker verbreitenden Farb-Fernsehgeräten eine bessere Unterscheidbarkeit zu bieten, ließ Penske jedes Auto in einer anderen knalligen Lackfarbe lackieren. Das Preisgeld für die Saison 1973/74 betrug insgesamt 175.000 Dollar – mit Einrechnung der Inflation wären das heute 1.035.483 Dollar (aktuell umgerechnet zirka 866.114 Euro). Dies lockte unter anderem die Formel-1-Weltmeister Emerson Fittipaldi (Brasilien) und Denis Hulme (Neuseeland) an.

Porsche 911 RSR IROC von Pablo Escobar Foto: Atlantis Motor Group
Laut Tacho ist der 911 Carrera 3.0 RSR IROC bisher nur 225 Meilen (362 Kilometer) gefahren.

Von Fittipaldi nur kurz gefahren

Die Karosserie der 15 Porsche entsprach der des straßenzugelassenen Carrera 3.0 RS, nur der große Heckspoiler kam vom RSR. Für den Antrieb war ein 3,0-Liter-Sechszylinder-Boxermotor mit Doppelzündung zuständig – das Aggregat leistete 315 PS. Die Autos fuhren auf Fuchsfelgen – und vor jedem Rennen fand eine Verlosung statt, welcher Fahrer welches Auto zu fahren hatte. Im ersten Vorlauf fuhr Fittipaldi den jetzt angebotenen saharabeigen Elfer mit der Fahrgestell-Nummer 911 460 0100 – er kam von der Strecke ab und das Auto war wegen eines Lecks im Kraftstofftank nicht mehr einsetzbar. Den Gesamtsieg im IROC fuhr damals übrigens mit dem Amerikaner Mark Donohue der seinerzeit amtierende Champion der Can-Am-Serie ein.

Porsche 911 RSR IROC von Pablo Escobar Foto: Atlantis Motor Group
1973 gab es noch ein "Western Germany". Den saharabeigen Lack weist das Schild als "Kunstharzlack" aus.

Von Escobar umgebaut

Danach kam der Porsche noch jahrelang bei weiteren amerikanischen Rennen zum Einsatz – unter anderem beim 12-Stunden-Rennen von Sebring und bei den 24 Stunden von Daytona. Als Pablo Escobar den Elfer kaufte, ließ er das Auto an lokalen Rennen in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota teilnehmen. Außerdem ließ er die Karosserie so modifizieren, dass das Auto einem Porsche 935 ähnelte.

Porsche 911 RSR IROC von Pablo Escobar Foto: Atlantis Motor Group
Bis auf den großen RSR-Heckspoiler entspricht der IROC-Elfer optisch dem straßenzugelassenen Carrera 3.0 RS.

Nur 223 Kilometer gefahren

Den jetzt von der Atlantis Motor Group aus Boca Raton in Florida angebotenen 911 Carrera 3.0 RSR IROC haben Restauratoren wieder in einen originalgetreuen Zustand versetzt. Das Auto soll bisher nur 223 Kilometer gefahren sein. Die Lebensgeschichte des Fahrzeugs soll sich trotz der Eigentümerschaft des Drogenbosses lückenlos dokumentieren lassen, selbst der Penske-Kaufvertrag liegt noch vor. Der Autohändler möchte für den seltenen Porsche 2,2 Millionen Dollar (1,84 Millionen Euro).

Fazit

Da Porsche vom 911 Carrera 3.0 RSR IROC nur 15 Exemplare gebaut hat, ist so ein Auto selten im Angebot. Das macht den deutsch-amerikanischen Rennsport-Elfer interessant. Formel-1-Weltmeister Emerson Fittipaldi fuhr den Elfer zwar nur kurz, aber auch das ist fest mit der Geschichte des Fahrzeugs verbunden.

Kompliziert ist, dass der Elfer mit Pablo Escobar auch mal einem Drogenbaron und Massenmörder gehörte. Der hatte dem 911 den Look des Porsche 935 verpasst, was Restauratoren inzwischen wieder rückgängig gemacht haben – womit das Auto immerhin nicht mehr Escobars Geschmack entspricht. Trotzdem muss der zukünftige Eigentümer damit leben, das dieser Elfer mal jemandem gehört hat, der als Schwerstkrimineller unsägliches Leid verursacht hat.

Der Preis in Höhe von 2,2 Millionen Dollar (1,84 Millionen Euro) dürfte dem entsprechen, was Sammler für einen selten zu bekommenden 911 Carrera 3.0 RSR IROC bezahlen. Allerdings ist nicht klar, ob der Händler im März den Preis erzielt hat – in der jetzt beendeten Auktion lagen die Gebote jedenfalls deutlich niedriger.