VW EA 128

Der erste VW mit Sechszylinder und vier Türen

Der VW EA 128 war ein Luxusprototyp mit Porsche-Technik. Warum er nie in Serie ging und was ihn besonders macht, erfahren Sie in diesem Artikel.

VW EA 128 Variant (1965) Foto: Malte Buls

Mitte der 1960er-Jahre stand Volkswagen unter dem Druck, ein Modell zu entwickeln, das über den Erfolg des Käfers hinausgehen konnte. Heinrich Nordhoff, damaliger Vorstandsvorsitzender von VW, setzte auf bewährte Prinzipien: Luftgekühlter Boxermotor im Heck und eine enge Zusammenarbeit mit Porsche. Der EA 128 wurde als größere Limousine konzipiert, um insbesondere auf dem US-Markt Fuß zu fassen. Die technischen Vorgaben waren ambitioniert: Ein Sechszylinder-Boxermotor sollte im Heck Platz finden und ausreichend Leistung für komfortables Fahren auf amerikanischen Highways liefern.

Die Mechanik des Fahrzeugs wurde stark von Porsche beeinflusst. Lenkrad und Instrumente stammten direkt aus dem Porsche 911, was dem EA 128 eine gewisse Exklusivität verlieh. Der Motor selbst war entweder eine modifizierte Version des Porsche-Sechszylinders oder eine Weiterentwicklung eines VW-Motors mit zusätzlicher Zylinderbank. Mit einer Leistung von 85 PS erreichte das Fahrzeug eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h – beeindruckend für seine Zeit.

Design und technische Besonderheiten

Das Design des EA 128 war für Volkswagen revolutionär. Mit einer Länge von etwa 4,70 Metern und einem Gewicht von rund 1.200 Kilogramm bewegte sich das Fahrzeug in einer Größenordnung, die bis dahin untypisch für VW war. Die klare Linienführung und die vier runden Scheinwerfer verliehen ihm ein modernes Erscheinungsbild, das an zeitgenössische Luxusmodelle wie den Mercedes-Benz W110 erinnerte.

Ein Highlight war die großzügige Innenraumgestaltung. Der flache Boden ohne Mitteltunnel bot Platz für bis zu sechs Personen – ein Novum im Vergleich zum engen Innenraum des Käfers. Die Polsterung aus hochwertigem Leder unterstrich den Anspruch eines Premiumfahrzeugs.

Warum scheiterte der EA 128?

Trotz seiner vielversprechenden Eigenschaften blieb der EA 128 ein Prototyp. Ein wesentlicher Grund dafür war der zeitgleich auftretende Skandal um den Chevrolet Corvair in den USA. Dieses ebenfalls heckmotorisierte Fahrzeug geriet wegen seines instabilen Fahrverhaltens unter Kritik, was potenzielle Käufer skeptisch gegenüber ähnlichen Konzepten machte.

Zudem war der Produktionsaufwand für den EA 128 hoch, was ihn teuer gemacht hätte – ein Risiko, das VW nicht eingehen wollte. Stattdessen konzentrierte man sich auf Modelle wie den Typ 3 und später den Golf, die wirtschaftlich tragfähiger waren.

Einfluss auf spätere Modelle

Obwohl der EA 128 nie in Serie ging, hinterließ er Spuren in der Entwicklungsgeschichte von Volkswagen. Elemente seines Designs fanden später Verwendung in Modellen wie dem brasilianischen Variant oder dem Passat B1. Auch die Zusammenarbeit mit Porsche setzte Maßstäbe für zukünftige Projekte.

Der Prototyp selbst ist heute Teil der Sammlung im Zeithaus der Autostadt Wolfsburg und zeugt von einer Ära des Experimentierens und Visionierens bei Volkswagen.