VW EA 128 Variant von 1965
Geheimer Luxus-Kombi von VW
Der EA 128 war der erste VW mit vier Türen und Sechszylinder-Motor. In Serie ging das Oberklasse-Auto jedoch nie, nur zwei Prototypen überlebten.
21.03.2026 Andreas Of-Allinger
Foto: Malte Buls
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Ein Volkswagen hatte in den 60er-Jahren einen luftgekühlten Heckmotor. Etwas anderes gab es nicht und der Verkaufserfolg des Käfer gab dem damaligen VW-Chef Heinrich Nordhoff recht: Der Käfer lief und lief und lief. Allein in den USA stiegen die Verkaufszahlen zwischen 1960 und 1968 von 117.000 auf 399.674.
Dieser Erfolg rief die Konkurrenz auf den Plan: Chevrolet hatte schon 1959 einen Kompakten mit luftgekühltem Heckmotor präsentiert: Den Corvair. Was eben in den USA als kompakt galt, denn mit sechs Zylindern und vier Türen war die Limousine eine Nummer größer als der Käfer.
VW wollte nachlegen und entwickelte zusammen mit Porsche eine Viertürer-Limousine mit luftgekühltem Heckmotor. Der EA 128, EA steht bei VW für Entwicklungsauftrag, war für die USA gedacht und hätte der erste Viertürer der Marke werden können. Wurde er nicht – zumindest nicht in Serie. Das war dann 1986 der VW 411.
Welche Varianten des EA 128 gab es?
Immerhin zwei Prototypen sind erhalten geblieben: Eine Limousine und ein Variant. Der Kombi steht im Depot des Autostadt-Zeithauses und zeigt, wie sich VW damals ein Oberklasseauto für die USA vorgestellt hat: klare Linien, Sechszylinder-Boxermotor im Heck, sechs Sitze in zwei Reihen. Eine gute Idee ist der ebene Ladeboden, der beim Umklappen der Rücksitzlehne entsteht.
Der Sechszylinder-Boxermotor im Heck mit 1,8 Liter Hubraum und 85 PS hätte den Kombi auf 160 km/h beschleunigt.
Warum ging der EA 128 nicht in Serie?
Warum aus dem Entwicklungsauftrag kein Serienauto wurde, ist nicht ganz klar. Gründe, die gegen das Projekt sprachen, gab es einige: Der ähnlich konzipierte Chevrolet Corvair war wegen seines Fahrverhaltens in Verruf geraten: Das Auto neigte wegen seiner Pendelachse und dem schweren Heckmotor zu plötzlichem Übersteuern, was in den USA zu schweren Unfällen geführt hatte. Verbraucheranwalt Ralph Nader hatte diese Unfälle in seinem 1965 veröffentlichten Buch "Unsafe at any Speed" thematisiert und damit den Ruf des Autos ruiniert.
Dazu kommt, dass Volkswagen zwischen 1964 und 1966 von der Mercedes-Benz AG die Mehrheit an der Auto Union übernimmt. Heinrich Nordhoff sieht die neue Tochter Audi als verlängerte Werkbank, lässt in Ingolstadt den Käfer bauen und verbietet das Entwickeln neuer Autos. Doch der von Mercedes 1962 zu Audi geschickte Konstrukteur Ludwig Kraus hält sich nicht daran und entwickelt mit seiner Mannschaft eine große Limousine. Nordhoff bekommt das Auto erst zu sehen, als es fertig ist und genehmigt die Schwarzentwicklung nachträglich. Mit diesem Auto hat der VW-Konzern eine moderne Limousine mit Frontantrieb im Programm. Audi entwickelt sich zu einem Konkurrenten für BMW und Mercedes.
VW baut 1991 das erste Mal einen Sechszylinder in den Passat ein und wagt 2001 mit dem Phaeton den Schritt in die Oberklasse.