Mercedes 280 TE (S 123) von 1979
130.000 Dollar für diesen Mercedes-Kombi - warum?
Gooding versteigert am 14./15. August 2026 in Pebble Beach einen nickelgrünen Mercedes-Benz 280 TE (S 123), der 38 Jahre in einer verschütteten Garage stand.
13.08.2026 Andreas Of-Allinger
Foto: Courtesy of the Owner
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Das T-Modell der im Januar 1976 der Presse präsentierten Baureihe 123 war der erste Kombi, den Mercedes selbst gebaut hat. Davor hatte die belgische Firma IMA Heckflossen zum Kombi umgeschneidert. Das T-Modell S 123 feierte während der Internationalen Automobilausstellung 1977 in Frankfurt am Main seine Weltpremiere. Gefertigt wurde der "Stationswagen" ab April 1978 im Werk in Bremen-Sebaldsbrück, Bruno Sacco war an der Gestaltung beteiligt. Das Wort "Kombi" versuchte Mercedes zu vermeiden und erklärte, T stehe für Transport und Touristik. Der Buchstabe steht bei der Stuttgarter Marke bis heute für praktische Kombilimousinen.
Sechsstelliger Schätzpreis für einen 123er
Im Jahr 1979 bekam ein italienischer Kunde einen nickelgrünen 280 TE geliefert, fuhr das gute Stück vermutlich wenige Tausend Kilometer und parkte ihn in seiner Garage in Avellino. Dort bebte im Jahr 1980 die Erde. Ein Erdrutsch verschüttete die Garage mit dem Mercedes darin. Pech für den Besitzer, Glück für die Nachwelt: Der T-Wagen blieb der Nachwelt im Zustand eines Vorführwagens erhalten. Heute stehen rund 6.100 Kilometer auf dem Tacho. Gooding & Christie's beschreibt den Zustand als "Museumsqualität". Den guten Zustand, die seltene Kombination aus Sechszylinder-Motorisierung und Lackierung in Nickelgrün führt zu einem Preis, der für einen 123er auf den ersten Blick absurd erscheint: Auf 130.000 bis 160.000 US-Dollar (112.490 bis 138.450 Euro) schätzt das Auktionshaus den Preis. Classic-Analytics taxiert einen 280 TE auf dem deutschen Markt in gutem Zustand übrigens auf 28.200 Euro.
Die Pebble-Beach-Auktion findet am 14./15. August während der Monterey Car Week im kalifornischen Monterey statt.
Sechszylinder-Kombi zum S-Klasse-Preis
Passend zum grünen Lack ist der Innenraum mit grünem Stoff ausgestattet. Die Sechszylinder-Erstserie hat nochmals andere Muster als die Vierzylinder – auch das macht diesen Kombi zur Rarität. Typisch für 123er vor der Modellpflege 1982 sind die Kunstleder-Seitenwagen.
Der 280 TE ist gut ausgestattet: Automatikgetriebe, Klimaautomatik, Becker Europa Autoradio und Kinder-Klappsitzbank im Kofferraum waren damals teure Extras. In Deutschland bot Mercedes einen 280 TE im Mai 1979 zum Listenpreis von 34.535,20 Mark an. Mit der Sonderausstattung hat der Sechszylinder-Kombi locker den Basispreis eines 280 SE der nagelneuen S-Klasse-Baureihe W 126 geknackt (38.815,50 Mark).
Warum ein 280 TE in DB 870 Nickelgrün selten ist
Eine Rarität, denn gut erhaltene 280 TE sind selten. Nickelgrüne umso mehr, denn Mercedes hat die Sonderfarbe mit dem Code DB 870 nur vier Jahre lackiert – von 1975 bis 1979. Ein T-Modell in DB 870 Nickelgrün kann also nur aus den Jahren 1978 oder 1979 stammen. Da Erstserien-123er fürchterlich rosten, sind nicht viele der frühen Modelle erhalten geblieben. Kombis erst recht nicht, und das liegt vielleicht auch daran, dass sie wegen ihrer praktischen Art häufiger zum Arbeiten und Fahren ran mussten als Limousinen oder Coupés. Es liegt vor allem an den geringen Stückzahlen: Unter den knapp 2,7 Millionen 123ern, die Mercedes von 1976 bis 1985 gebaut hat, sind 199.517 T-Modelle, also weniger als 10 Prozent der Gesamtproduktion. Das Benziner-Topmodell 280 TE hat an den Kombi-Stückzahlen wiederum ebenfalls einen knapp zehnprozentigen Anteil: 19.789 Exemplare liefen vom Band. Da kommen in zwei Jahren nicht viele 280 TE zusammen.
Erst recht nicht in 870 Nickelgrün, bedenkt man die Farbenvielfalt jener Jahre: Allein 12 Serienfarben waren in den ersten beiden Kombi-Jahren lieferbar, dazu 19 Sonderlackierungen und 17 Metallic-Töne. Im Jahr 1979 konnten 123er-Kunden unter 10 Grüntönen wählen – vom gedeckten 880 Agavengrün bis zum schrillen 877 Petrol.