Youngtimer-Boom und fallende Preise für Klassiker
Rekorde & Rabatte am Oldtimer-Markt
Während Ferrari Enzo & Co. bei Auktionen Rekordsummen erzielen, fallen die Preise für Klassiker der 60er-Jahre. Ist der Markt überhitzt oder nur im Umbruch? Experten analysieren, welche Autos jetzt an Wert verlieren und warum Youngtimer die neuen Stars sind.
27.07.2026 Andreas Of-Allinger
Foto: Alex Penfold/RM Sotheby's
Sind Oldtimer out, wie das Handelsblatt im Juni auf seiner Website schrieb? Ein Händler aus Lastrup fragte im Mai auf Youtube seine Community: "Warum läuft‘s nicht mehr?" Ist der Markt tot? "Das ist Unsinn", sagt Frank Wilke. Der Chef des Preis- und Marktbeobachters ClassicAnalytics unterscheidet zwischen Auktionen und dem Privat- und Händlermarkt.
Rekordpreise bei Auktionen
Bei Versteigerungen erzielen vor allem jüngere Supercars Rekordergebnisse. Das Auktionshaus RM Sotheby’s hat während der Rétromobile in Paris Autos im Rekordwert von 81 Millionen Euro versteigert. Gooding Christie’s verkaufte, ebenfalls während der Rétromobile, Ferrari 288 GTO und FXX zu Höchstpreisen.
Die Supercars aus Maranello eilen von einem Preisrekord zum nächsten. Als Mecum Ende Januar 46 Ferrari aus der Bachman-Sammlung versteigerte, stellten sämtliche Halo-Cars der Marke neue Rekorde auf: Ein Enzo in Giallo Modena und mit 649 Meilen auf dem Zähler ging für 17,875 Millionen Dollar weg, umgerechnet 15,37 Millionen Euro. Das ist das Vierfache des bis dato höchsten Preises für einen Enzo.
Sammler kaufen diese Autos...
Marcus Görig, Director Sales Germany bei RM Sotheby’s, stellt fest, dass "viel Geld im Umlauf" ist. Neue Sammler investieren in Traumautos ihrer Jugend. Und das sind Ferrari F40, F50, Enzo oder Bugatti Veyron, aber auch 550 Maranello und Porsche 993.
Harry Utesch, mit DLS Automobile in Fellbach bei Stuttgart seit 40 Jahren im Geschäft, bemerkt einen Trend zu jüngeren Porsche: "Vor allem bei 964 und 993 haben das Interesse und die Preise zum Teil drastisch zugelegt."
...und diese Autos wurden billiger
Ruhiger sei es um frühe 911 bis Mitte der 70er geworden, so Utesch. Für Autos der 1950er- und 60er-Jahre sowie für Vorkriegsmodelle sieht der Markt schlecht aus: Die Werte fallen seit Jahren. Wilke nennt Austin Healey, Jaguar E-Type und Porsche 356. Görig: "Ein 356 GS Carrera GT, der vor zehn Jahren noch eine Million wert war, kostet jetzt unter 400.000 Euro."
Wie läuft es im Handel? Utesch ist sehr zufrieden mit der ersten Jahreshälfte: "2026 hat sich sehr positiv entwickelt." Die vergangenen beiden Jahre seien etwas ruhiger gewesen, was Wilke für den gesamten Oldtimerhandel bestätigt.
Das sind die Klassiker der Zukunft
Einig sind sich Händler und Marktbeobachter bei einem Trend: "Japaner von 20 bis 40 Jahren sind im Kommen", sagt Utesch. Bürgerliches gehe überhaupt gut, sei es ein Mercedes 190E, ein W124 oder ein Honda Accord. Und die Aussichten? RM Sotheby’s hat laut Görig bei der Monterey-Auktion Mitte August "die höchste Einlieferungssumme, die es je gegeben hat." Toplos ist ein McLaren F1, der in den 90ern als Poster im Zimmer eines heutigen Sammlers gehangen haben könnte.