Vielfältige Ansätze, um Sicherheit zu verbessern
Barényi erkennt zudem sehr früh, dass es für die Sicherheit im Automobilbau keine singulären Lösungsansätze gibt. So kommt es zu weiteren Innovationen wie Flankenschutz, Sicherheitsdach, Sicherheitstüren oder Überrollbügel.
Schon bei seinen Grundsatzüberlegungen zum Volkswagen hat sich Barényi ausführlich dem Thema Lenkung gewidmet, ist doch die lanzenähnliche Lenksäule jenes Bauteil, von dem für den Fahrer im Falle eines Unfalls die größte Gefahr ausgeht. Seine Kritik gilt in diesem Zusammenhang auch der Teleskoplenksäule, deren Spindel sich nur bei direkter Krafteinwirkung auf die Spindelachse zusammenschiebt - ein Tatbestand, den Barényi immer wieder anhand eines eigens gefertigten Modells demonstriert.
2.500 Patente, die dem Automobilbau die Zukunft wiesen
Er selbst erfindet neben der Sicherheitslenksäule, patentiert unter DBP 1302380, noch das Sicherheitslenkrad und den Pralltopf. In seinen Überlegungen geht Barényi sogar noch weiter, indem er einen Mechanismus erdenkt, der das Lenkrad vom Fahrer wegschwenken lässt.
2.500 Patente sind es insgesamt, die Barényi während seiner beruflichen Laufbahn anmeldet - mehr, als die meisten anderen Erfinder zustande brachten.
Oft muss Barényi sein Recht erstreiten. Wer sich in der komplizierten Materie des Patentrechts nur im Ansatz auskennt, ahnt, dass dies nicht ausbleibt. Elf Prozesse hat er im Laufe seines Lebens geführt, was für sich genommen bei einem Erfinder noch nichts Besonderes ist. Außergewöhnlich aber ist der Umstand, dass er alle elf gewann. Es dauerte in der Tat, wie er selbst ironisch zu sagen pflegte, zumeist vierzig Jahre, bis seine Ideen aufgegriffen und als das erkannt wurden, was sie waren: Geniestreiche.
Privatarchiv in Sachen automobiler Sicherheit
Sein Vorgesetzter und langjährige Freund, selbst herausragender Ingenieur und Designer, Karl Wilfert, schrieb an Direktor Langheck im Juni 1958: "Das, ich möchte beinahe sagen Tragische im Werdegang von Herrn Barényi liegt darin, dass sich noch kaum jemand die Zeit dafür genommen hat, sich die vielen weit vorgreifenden Ideen erläutern zu lassen: Man kann, glaube ich, nicht immer mit einem gewissen Unterton sagen, der meldet ja bloß Patente an. Sondern man sollte dabei bedenken, dass diese Patentanmeldungen als geistige Kapitalvermehrung der Firma zu betrachten sind."
1974 geht Barényi in den "Unruhestand". Er unterhält weiter seine Kontakte zu befreundeten Journalisten und macht sich an den Ausbau seines Privatarchivs in Sachen automobiler Sicherheit, das er in seinem Haus in Maichingen unterhält. Haus und Archiv verkauft Barényi Mitte der 90er Jahre an die Mercedes-Benz AG. 1997 stirbt Barenyi, in seinem 91. Jahr.


