Classic Days Schloss Dyck - 40 Jahre Porsche-Sieg in Le Mans

Porsche 917 bei den Classic Days

Porsche 917

Vor vierzig Jahren holte der 917 den ersten Gesamtsieg für Porsche in Le Mans, später wählte man ihn zum Sportwagen des Jahrhunderts, wirklich geschlagen wurde er nie. Bei den Classic Days auf  Schloss Dyck ist er am 31. Juli und 1. August zu sehen.

Die lange Gerade auf dem Dreieckskurs von Schloss Dyck entlang des Miscanthus-Feldes hinunter zum Dycker Weinhaus misst schätzungsweise 600 Meter, und David Piper kam hier im vergangenen Jahr mit seinem grünen 917 gerade mal bis in den vierten Gang. Dennoch hinterließ der ungehemmt brüllende und bis 8.200 Touren drehende 4,5-Liter-Zwölfzylinder bei den Zuschauern einen nachhaltigen Eindruck - manch einer bekam eine ungefähre Vorstellung davon, wie es 1970 und 1971 war, als diese Monster in Le Mans alles in Grund und Boden fuhren.

396 km/h auf der Hunaudières-Geraden

"Wer dachte, dass Porsche mit dem 908 und dem Gewinn der Marken-WM den Zenith erreicht hatte, sah sich gründlich getäuscht - die hatten noch nicht mal richtig angefangen", schrieb einst ein britischer Journalist über den 917. Der stand 1969 auf dem Genfer Salon, war von Ferdinand Piëch und Hans Metzger entwickelt worden und entstand durch eine Änderung im Reglement: Sportwagen durften nun mit bis zu fünf Liter Hubraum an den Start gehen, wenn mindestens 25 Exemplare davon gebaut wurden - was Porsche in monatelangen Tag-und-Nacht-Schichten gelang. Zu Beginn konnte das Monster vor lauter Kraft kaum laufen, bei ersten Tests soll der luftgekühlte 180-Grad-V-Motor die Heckscheibe zu Bruch gesaugt haben. Nach Änderungen an Fahrwerk und Aerodynamik war der 917 dann die absolute Waffe und erreichte auf der sechs Kilometer langen Hunaudières-Geraden 386 km/h.

"Wenn wir an den Ferrari vorbeigingen, hat es einen Schlag getan", erinnert sich Werksfahrer Herbert Linge. In Le Mans 1970 regnete es in Strömen, dennoch gelang Hans Herrmann zusammen mit Richard Attwood der erste Gesamtsieg für Porsche im rot-weißen 917 von Porsche Salzburg. Auch 1971 war der 917 nicht zu schlagen - die Überlegenheit war so groß, dass er kurzerhand per Reglementänderung verboten wurde. Porsche schraubte daraufhin zwei Turbolader an den Motor, ging nach Amerika zur CanAm-Challenge und gewann dort mit bis zu 1.100 PS jedes Rennen - bis der Zwölfzylinder auch jenseits des Großen Teiches verboten wurde.

Steve McQueen setzt Porsche 917 ein Denkmal

Als wäre das alles nicht genug, setzte Steve McQueen dem Sportwagen des Jahrhunderts zudem mit dem Film Le Mans ein Denkmal - die Szene, in der drei gulf-farbene 917 aus der Tertre Rouge herausbeschleunigen, hat wohl jeder Motorsport-Fan auf der Netzhaut eingebrannt.

Aus dem Film stammt auch der berühmte Dialog zwischen McQueen und Filmpartnerin Elga Andersen: "Warum ist es für euch so furchtbar wichtig, schneller zu fahren als andere?" fragt sie. Antwort: "Es wird im Leben vieles mittelmäßig und schlecht gemacht. Deshalb ist es für uns wichtig, dass wir irgend etwas gut tun. Rennen heißt für uns leben. Die Zeit, die zwischen den Rennen liegt, heißt warten." Zu den Classic Days auf Schloss Dyck bringt Porsche neben einem 908/3 und einem 936 auch einen gulf-farbenen 917. Passend dazu gibt es auf der Pflaumenwiese einen Shop von Grand Prix Originals mit Racewear im Gulf-Stil sowie die neue McQueen-Kollektion, die jüngst erst präsentiert wurde. Wo? In Le Mans natürlich.

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Hans-Jörg Götzl

Autor:

Motor Klassik, Heft 08 / 2010

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